Leiterin des Belgrader Menschenrechtsfonds belastet Milosevic

8. März 2002, 18:32
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Serbische Sicherheitskräfte sollen Massaker in Likoshane begangen haben

Belgrad - Jüngste Angaben der Leiterin des Belgrader Menschenrechtsfonds, Natasa Kandic, über das Massaker an einer albanischen Familie im Kosovo-Dorf Likosane (albanisch: Likoshane) seitens der serbischen Sicherheitskräfte dürften den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic schwer belasten. Milosevic selbst machte im Kreuzverhör eines weiteren Belastungszeugen, der über die Ermordung ganzer albanischer Familien durch die jugoslawischen Sicherheitskräfte während des Kosovo-Krieges 1998/1999 aussagte, albanische Extremistengruppen für die Ermordung von zehn Mitgliedern der Familie Ahmeti in Likosane (albanisch: Likoshane) im Westen des Kosovo verantwortlich.

Nach einer Aussendung des Menschenrechtsfonds vom Freitag sollte die Anordnung zur Tötung einzelner Mitglieder der Ahmeti-Familie allerdings von der damaligen Ermittlungsrichterin in Pristina Danica Maksimovic erteilt werden. In Begleitung des stellvertretenden Staatsanwalts und einem Kriminalpbeamten aus Pristina soll Maksimovic am 28. Februar 1998, das Dorf Likosane aufgesucht haben. Vor dem Haus der Familie Ahmeti lagen nach Angaben des Menschenrechtsfonds mehrere Männer. Die meisten waren bereits tot, einige sollen noch Lebenszeichen von sich gegeben haben.

"Tötet sie"

In Anwesenheit von etwa 30 Angehörigen der speziellen Antiterroreinheit der Polizei soll Danica Maksimovic gesagt haben: "Tötet sie". 14 Leichen wurden am 1. März 1998 in das Krankenhaus von Pristina eingeliefert. Die Untersuchungsrichterin ordnete keine gerichtsmedizinische Untersuchung an, berichtet nun die Belgrader Menschenrechtsorganisation, die über neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit Ereignissen im Dorf Likosane verfügt. "Angehörige der Polizei und Teilnehmer an der Aktion im Dorf Likoshane, gaben an, dass nachträglich Gewehre und Bomben an die Seite der Toten gelegt wurden", hieß es ferner in einer Aussendung des Menschenrechtsfonds.

Die Leiterin des Fonds hatte in der Vorwoche dieselbe Richterin beschuldigt, zwei serbische Polizisten, die Anfang Mai 1999 den Spitzenfunktionär der Demokratischen Liga Kosovo, Fehmi Agani, unweit von Pristina ermordet hatten, in Schutz genommen und Ermittlungen verhindert zu haben. Die "Schweigemauer" sei "angebrochen". Es gebe immer mehr Polizisten, die berichten, was im Kosovo vorgegangen sei, stellte Kandic fest. (APA)

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