Die Städte sind fest in oppositioneller Hand

8. März 2002, 19:12
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Simbabwes Staatschef Robert Mugabe lässt Präsidentschaftswahlen im Land abhalten - Wut wächst auf Mugabes Machtgehabe

Lethargie liegt über der Stadt, bleischwer, als sei die Zeit stehen geblieben. Apathisch bewegen sich die wenigen Menschen, die an diesem Morgen unterwegs sind. Wie leer gefegt sind die Zufahrtsstraßen ins Zentrum, an den sonst so bunten und vollgeräumten Marktständen herrscht kein Andrang.

Simbabwes Hauptstadt Harare erinnert in diesen Tagen an einen Wartesaal, in dem alle auf die Abfahrt des letzten Zuges warten. Selbst die aufgeregten Schlagzeilen durchdringen den trägen Schleier, der die Menschen umgibt, nicht: "Tsvangirai des Hochverrats angeklagt", der Oppositionsführer soll angeblich ein Mordkomplott gegen Simbabwes Präsident Robert Mugabe geplant haben.

Kurz vor den Präsidentschaftswahlen am Wochenende müsste die Meldung wie eine Bombe einschlagen, aber in Harare erntet sie nur müdes Achselzucken. "Das gehört zur Verunsicherungstaktik des Präsidenten", winkt Mostaff Matesanwa, ein arbeitsloser Reiseleiter, ab, "an diese Schmutzkampagnen glaubt hier keiner mehr".

In den Städten hat sich die Mehrheit der Bevölkerung längst entschieden, sagen die Meinungsforscher, die Menschen haben genug vom diktatorischen Führungsstil des 78- jährigen Präsidenten Robert Mugabe, der das Land in den Ruin treibt. Ginge es mit rechten Dingen zu, würde sein Herausforderer von der "Bewegung für einen demokratischen Wandel" (MDC), Exgewerkschaftsführer Morgan Tsvangirai, haushoch gewinnen. Aber genau das versucht Mugabe mit aller Gewalt zu verhindern.

Um seine Wählerschaft zu mobilisieren, hat er sich Tsvangirai als ein Hassobjekt ausgesucht, mit dem er hofft, auch 22 Jahre nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft noch Emotionen zu schüren. In seinen Wahlkampfreden spricht der einstige Befreiungskrieger, der unter der Herrschaft der Weißen im früheren Rhodesien bis 1974 mehrmals eingesperrt und auch gefoltert wurde, von einem Krieg gegen die Opposition, die Simbabwe an die "britischen Kolonialherren" verkaufen werde. Diese Hetzkampagnen haben bisher mehr als hundert Oppositionellen das Leben gekostet, sagt MDC-Pressesprecher Percy Makombe. Die Polizei blieb natürlich untätig.

Ein Sammelbecken

Die "Bewegung für einen demokratischen Wandel" ist längst keine homogene Partei, sondern ein Sammelbecken für die breite Schicht der Mugabe-Gegner. Sie hat ihre Wurzeln in der Gewerkschaftsbewegung, wird von Unternehmern, den Kirchen, Frauen- und Studentenorganisationen sowie Bürger- und Menschenrechtsgruppen unterstützt. Vor zweieinhalb Jahren, im September 1999, gegründet, konnte sie bei den Parlamentswahlen im Juni 2000 auf Anhieb 57 der 120 Sitze einnehmen, vor allem in den Städten gewann die MDC auf Anhieb die Mehrheit.

Die Leute "haben es einfach satt", von einem diktatorischen Machthaber beherrscht zu werden, meint Felix Schmidt, Leiter der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung in Harare. Unvorhersehbar bleibt das Wahlergebnis trotzdem. Als seine Limousine zur Mittagszeit, begleitet von Sirenengeheul, Motorrädern und Militärfahrzeugen durch die gesperrte Innenstadt von Harare rast, wird Unmut unter den Passanten laut. "Der Präsident fährt zum Mittagessen", bemerkt einer sarkastisch, und in seinem Gesicht spiegelt sich die Hoffnung, dass die Tage solchen Machtgehabes endgültig gezählt sind.
(DER STANDARD, Printausgabe, 9.3.2002)

Standard-Korrespondentin Susanne Bittorf aus Harare
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