Die Koalition: Familie auf Ausflug

8. März 2002, 17:23
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Bei ihrer Klausur versucht Schwarz-Blau das Bild eines arbeitenden Teams zu vermitteln - Umstrittenes wurde ausgespart

Der sonnenbestrahlte Wolfgangssee als Kulisse im Hintergrund. Die lächelnde Koalition als schrecklich nette Familie im Vordergrund. "Ein schönes Bild", freut sich ÖVP- Klubobmann Andreas Khol beim Fototermin.

Der wie die gesamte Regierungsklausur eine Botschaft vermitteln soll: Die Post-Temelín-Volksbegehren-Streitereien sind beendet, die FPÖ- Turbulenzen auch - die Koalition ist einig, einig, versteht sich und arbeitet. Teil eins der Botschaft, Harmonie und Zusammenhalt, standen zu Beginn der Klausur Donnerstagabend auf dem Programm: Ein moderner Hüttenabend im Schlossteil des Klausurortes, des teuren Eventresorts Scalaria, Trachtenpärchen, Blasmusik und Umhänggläser mit eingeritzen Namen inklusive.

Stern des Südens Und wie bei jedem Familienfest gab es Festlegung aufs Familienoberhaupt, Seitenhiebe auf abwesende Verwandte und Grüppchen: Landesvater und Hausherr Josef Pühringer überreichte "Geisteskraft" (Bauernschnäpse), Kanzler Wolfgang Schüssel gab das Motto vor "mehr als eine Wir-haben- uns-wieder-lieb-Klausur" und unkte über den Gottseibeiuns der Koalition, Wahlkärntner Jörg Haider: "Der Stern des Südens ist auch Oberösterreicher." Dieses Witzchen musste Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer nicht parieren, eine FP-Begrüßung war nicht vorgesehen.

Das war aber nicht der Grund, warum nach der Begrüßung die Wahlverwandtschaft Koalition in Parteifamilien zerfiel: Die ÖVP-Spitze formierte sich zur Tarockrunde, angeführt von Schüssel, die FPÖ scherzte unter sich, Riess-Passer gewann beim Bauernschnapsen. Trotz der Grüppchen: Ein Familienausflug, fast so schön wie in den seligen Anfangstagen der Koalition, als gemeinsam gewandert und nicht gestritten wurde, seufzte mancher.

Neue, alte Einigungen

Zu diesem Bild der Einigkeit passten die Einigungen, die Freitag nach kurzen Sitzungen verkündet wurden: Die Unireform steht zwar seit Monaten fest, zufällig fällt der Beginn der Begutachtungsfrist auf den Klausurfreitag, ein schöner Anlass, wieder darüber zu reden. Auch das zweite Hauptthema, die Abfertigung neu, ist seit Herbst mit den Sozialpartnern ausgemacht. Und auch die präsentierte Sterbekarenz ist lange fix. Aber warum sollte man auf der Klausur über Umstrittenes wie Steuerreform, Abfangjäger oder Ladenschluss reden, wenn es schön vorbereitete Konsensthemen gibt?

Und so freuten sich Schüssel und Riess-Passer, mit den verkündeten Einigungen an "große Strukturreformen" anknüpfen zu können. Eine Inszenierung eines schönen Bildes, in das die SPÖ wenigstens ein dunkles Fleckchen setzen wollte: Mit einem handgemalten Schild "300.000 Arbeitslose begrüßen die Bundesregierung" an der Ortseinfahrt St. Wolfgang. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 9.3.2002)

Eva Linsinger aus St. Wolfgang
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    Schüssel, Riess-Passer und Gehrer im Vordergrund, heimisches Alpenmassiv im Hintergrund.

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