Kenia: Vergewaltigung - das unsichtbare Verbrechen

8. März 2002, 16:17
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ai kritisiert mangelnde gesetzliche Regelungen

London/Wien - In einem neuen Bericht über Kenia zeigt amnesty international (ai) die Situation von Frauen in dem nordostafrikanischem Land auf. "Die Regierung Kenias hat es bis jetzt unterlassen, die Gesetze so zu reformieren, dass alle Gewalttaten gegenüber Frauen als strafbare Handlungen gelten und die Täter zur Verantwortung gezogen werden", so der Generalsekretär von ai-Österreich, Mag. Heinz Patzelt.

Unabhängig von sozialer oder ethnischer Gruppe

Gewalt gegen Frauen ist in Kenia weit verbreitet: Täglich werden Frauen physisch und sexuell mißbraucht, unabhängig von der sozialen oder ethnischen Gruppe, der sie angehören. Vergewaltigung ist ein Verbrechen, das bei den Opfern einen Schock und eine Traumatisierung verursacht und die Stellung der Frauen in der Gesellschaft weiterhin untergräbt. Dennoch herrscht Stillschweigen darüber.

Opfer oftmals zu eingeschüchtert

Der Grund dafür sind die oft unüberwindbaren Hindernisse, denen Opfer gegenüberstehen, wenn sie versuchen, die Täter vor Gericht zu bringen. Viele Frauen, die eine Vergewaltigung oder andere Form von Mißbrauch erlitten haben, sind durch kulturelle Anschauungen und die Untätigkeit des Staates zu eingeschüchtert, um Hilfe zu suchen. "Die Opfer, die Gerechtigkeit suchen, sind mit einem System konfrontiert, das Gewalt gegen Frauen nicht zur Kenntnis nimmt, sie leugnet und duldet und die Täter schützt, seien es Staatsorgane oder Privatpersonen", so Mag. Heinz Patzelt.

ai weist darauf hin, dass Gewaltakte gegen Frauen Folter darstellen, für die der Staat verantwortlich ist: es ist seine Verpflichtung, Frauen zu schützen und Rechtsverletzungen - sowohl durch Staatsorgane, als auch durch Privatpersonen -, zu untersuchen, zu bestrafen und Schadenersatz zu gewährleisten.

Keine gültigen Menschenrechtsverträge

Kenia hat keine der internationalen Menschenrechtskonventionen, die es ratifiziert hat, in das innerstaatliche Recht übernommen und hält auch keine Bestimmungen internationaler oder regionaler Menschenrechtsverträge, die die Rechte der Frauen fördern und schützen, ein.

"Solange Frauen in Kenia Bürgerinnen zweiter Klasse sind, sie kein Recht auf Eigentum haben, sie vererbt und zwangsverheiratet werden können und der Staat nicht für ihren Schutz eintritt, solange wird sich die Situation für Frauen in Kenia nicht verbessern", so der Generalsekretär von ai-Österreich.

Frauenrechte als Wahlkampfthema

Im Jahr 2002 finden in Kenia Präsidentschafts - und Parlamentswahlen statt. amnesty international nutzt diese Gelegenheit, Frauenrechte zu einem Hauptthema für die Wahlkämpfe zu machen und ruft alle Kandidaten und Kandidatinnen dazu auf, sowohl in ihrer Haltung als auch in ihrer Politik geschlechtssensibel zu sein. (red)

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