Mord ist ihr Hobby: Betagtes Austrokino

8. März 2002, 15:58
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"Ene Mene Muh und tot bist du"

Wien - Am Tag der Sonnenfinsternis herrscht Aufregung im Altersheim, schließlich könnte ja das Ende der Welt bevorstehen. Als dann aber alle Insassen am Dach stehen und in den Himmel starren, fällt erst nur ein Witz ("Das erlebe ich bestimmt nicht wieder") und dann ein Stein: Der trifft Frau Kadletz (Bibiane Zeller) auf den Kopf und verursacht bei ihr eine leichte Gehirnerschütterung.

Die Szene stammt aus Houchang Allahyaris jüngstem Film Ene Mene Muh und tot bist du und veranschaulicht gleich zweierlei Probleme dieser schwarzen Komödie: Erstens kommt es darin nie so schlimm, wie es nötig wäre, damit die (institutionellen) Verhältnisse, die hier karikiert werden, tatsächlich ihre dunkle Kehrseite offenbarten. Und zweitens sind die Pointen mindestens so betagt wie die Charaktere.

Das Alter spielt überhaupt eine zentrale Rolle in diesem österreichischen Film, es wird sogar zum Mordmotiv: Im Pensionistenheim, dem zentralen Schauplatz, herrscht nämlich keineswegs Verbundenheit zwischen den Bewohnern, vielmehr beargwöhnen sie sich aus Neid und spinnen ständig Intrigen. Platz gibt es dort wenig und nur eine Suite; für die muss man jedoch die hundert schon weit hinter sich haben. Der Bürgermeister ehrt außerdem nur die älteste Wienerin am Geburtstag mit seiner Charmeattacke und ein paar Tausendern.

Wenn in einer Wiener Institution die Todesrate rapide ansteigt, weiß man, dass jemand tatkräftig nachhilft. Der Verdacht fällt erst auf die ausländische Schwester - was man als Überrest Allahyaris einstmals weitaus ausgeprägterem Sinn für Sozialkritik verstehen kann -, dann auf den jungen Oberarzt Dr. Klein (Rainhard Nowak). Dieser verbündet sich mit dem pensionierten Kommissar (spaßig tattrig: Karl Merkatz) zum Detektivduo, weil die richtige Polizei permanent kottanesk daneben liegt.

Allahyari versammelt eine ganze Riege an heimischen TV-Lieblingen in seinem Krimistück, darunter noch Gunther Philipp, Waltraud Haas und Christine Schuberth. Nicht nur deren heiter unverbindliche Ensembleleistung, auch die kontrastarmen, flächigen Bilder weisen Ene Mene Muh und tot bist du als Fernsehproduktion aus - das setzt offenbar Grenzen: Als die rüstige Gemeinde einmal ins Bellaria-Kino ausrückt und den dort gezeigten Film mit sanften Spott übergießt, ahnt man zumindest, dass hier mehr als eine zahme Hommage möglich gewesen wäre.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3. 6. 2001)

Von
Dominik Kamalzadeh


Rechbauerkino
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