Großteil der Zigaretten hat Filter-Defekt

9. März 2002, 20:00
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Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt - bereits 1957 war die Rede von Bedenken über "mögliche Gesundheitsrisiken"

Buffalo/New York - Philip Morris hat wissentlich 40 Jahre lang Zigaretten mit defekten Filtern verkauft. Der Filterfehler wurde von Autoren des Roswell Park Cancer Institute in Buffalo, New York, aufgedeckt. Sie durchforsteten Industriepapiere, Forschungs- und Medizindatenbanken, US-Patente und Gerichtsdokumente. Ihre Forschung konzentrierte sich auf 61 Dokumente des weltgrößten Zigarettenproduzenten. Die Ergebnisse wurden in einer Spezial-Beilage der Tobacco Control publiziert.

Alle Dokumente beinhalteten den Terminus "Fall-out", ein vom Unternehmen geprägter Ausdruck zur Beschreibung von plastikartigen Zellulose-Acetat-Fasern und Kohlekörnchen-Staub. Beide gesundheitlich bedenklichen Produkte bilden sich während des Rauchens an der Schnittstelle des Filters. Die Autoren vermuten, dass der Defekt aller Wahrscheinlichkeit nach während des Hochgeschwindigkeits-Herstellungsprozesses entsteht - pro Sekunde werden 250 Zigaretten produziert.

Detaillierte Testergebnisse

Eine Sammlung von Aktennotizen seit dem Beginn der 80-er Jahre zeigt detailliert Testergebnisse, um das Ausmaß des Fall-outs festzustellen. Einzig im Jahr 1985 schrieb Philip Morris im Rahmen eines Routinetests das Protokoll "Revised protocols for filter firbre fall-out and carbon particle fall-out". Aber es fanden sich auch derartige Ergebnisse zurückdatiert bis 1970 und in der Fortsetzung bis 1999. Die Autoren entdeckten Vergleichstests zwischen 130 verschiedenen Zigarettenarten, darunter auch sehr bekannte Marken wie Marlboro, Winston und Benson & Hedges, in denen Filter-Fehler vorkamen. Die Größe der Kohlepartikel reichte von fünf bis 120 Mikrometer.

Bereits 1957 verfasste Philip Morris ein Dokument, das Bedenken über "mögliche Gesundheitsrisiken" äußerte. Die Unterlagen zeigen zwar, dass die Testergebnisse an Wissenschaftler und Unternehmens-Geschäftsführer von Philip Morris weitergegeben wurden. Es gibt aber weder einen Beweis dafür, dass die Ergebnisse je an die Öffentlichkeit gelangten, noch dafür, dass das Unternehmen Schritte unternahm, um das Problem zu verbessern. Dennoch erhielt Philip Morris zahlreiche Patente für die Verbesserung von Zigaretten-Filtern. Der Filter-Defekt, so die Autoren, ist allbekannt und weitverbreitet. Er ist auch nicht auf eine spezielle Marke oder Zigarettensorte beschränkt. Weltweit sind 90 Prozent der verkauften Zigaretten Filterzigaretten. (pte)

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