Silber gegen das Infektionsrisiko im Krankenhaus

11. März 2002, 10:00
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Dazu werden winzige Teilchen in den Kunststoff medizintechnischer Produkte eingeschmolzen

München - Die moderne Medizintechnik macht sich die alte Weisheit zu Nutze, dass Silber und Silberverbindungen desinfizierend wirken. Am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (FAM) in Bremen werden silberhaltige Materialien für Implantate und medizinische Geräte entwickelt, die "eine eingebaute antibakterielle Wirkung" haben, wie die Fraunhofer-Gesellschaft in München berichtete.

Ein neues Verfahren ermöglicht es, Silberteilchen von wenigen Millionstel Millimeter Durchmesser in Kunststoffarten einzuschmelzen, die standardmäßig zur Herstellung von medizintechnischen Produkten verwendet werden. Die Konzentration an Silberionen reiche aus, um Bakterien abzutöten, die sich auf der Kunststoff-Oberfläche befänden, hieß es. Die Wirkung sei selbst bei niedriger Silberkonzentration gut und langanhaltend.

Gefahren im Krankenhaus

Die Neuerung ist höchst bedeutsam angesichts des Infektionsrisikos in Krankenhäusern, das nach Operationen besonders hoch ist. Die Gefahr ist umso größer, weil man sich dort mit Krankheitserregern infizieren kann, die resistent gegen Antibiotika sind, also nicht mehr mit diesen bekämpft werden können. Immer häufiger werden in Krankenhäusern künstliche Hüftgelenke oder Ersatzzähne eingesetzt. Nicht jeder Patient verträgt den Kontakt mit Implantaten und Instrumenten.

Silber sei eine interessante Alternative zu Bemühungen, werkstoffspezifische Lösungen zur Behebung des Problems der Infektionsgefahr zu finden, erklärte Michael Wagener vom FAM. "Silber und Silberverbindungen wurden bereits im 19. Jahrhundert zur Behandlung von Brandwunden und zur Desinfektion eingesetzt." Das Aufkommen spezifisch wirkender Antibiotika habe dieser Praxis dann ein Ende gemacht.

Eine an der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelte Messmethode erlaubt es den Angaben zufolge, Werkstoffkombinationen rasch auf ihre Wirksamkeit zur Infektionsverhütung zu untersuchen. Damit wird es den Forschern ermöglicht, aus einer Vielzahl von Materialien die am besten geeigneten herauszusuchen. (APA/AP)

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FAM
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