Körpereigene Substanzen gegen bakterielle Infektionen

10. März 2002, 18:00
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Künstliche Herstellung von "N-Chlortaurin" in Innsbruck

Innsbruck - Ein in Tirol entwickeltes Medikament soll mit körpereigenen Substanzen bakterielle Infektionskrankheiten bekämpfen. Univ.-Prof. Waldemar Gottardi vom Institut für Hygiene und Sozialmedizin an der Universitätsklinik Innsbruck sei mit der künstlichen Herstellung von "N-Chlortaurin" ein "wissenschaftlicher Durchbruch" gelungen. Das Arzneimittel habe sich als "sehr gut verträglich" erwiesen.

N-Chlortaurin ist ein Abkömmling der Aminosäure Taurin und gehört zu den so genannten "Chloraminen", welche von den weißen Blutkörperchen zum Abtöten von Krankheitserregern und auch zum Schutz bei Entzündungen gegen gefährliche Stoffe wie etwa freie Radikale gebildet werden. Nach jahrelangen Forschungen über die Wirkung dieser Stoffe zur körpereigenen Abwehr wurde es mit der Synthese von N-Chlortaurin möglich, seine Eigenschaften detailliert zu erforschen.

Nach wie vor stellen Infektionskrankheiten "einen wesentlichen Anteil aller Erkrankungen" dar, hieß es am Freitag in einer Aussendung der Tiroler Landeskrankenanstalten (Tilak). Das Bio-Molekül "N-Chlortaurin" soll gegen verschiedene Krankheitserreger, wie Bakterien, Pilze und Viren, eine "ausgeprägte abtötende Wirkung" zeigen. Sogar sehr aggressive Bakterien würden bereits nach nur einer Minute in einer N-Chlortaurin-Lösung ihre "krankmachende Wirkung" verlieren, noch bevor sie abgetötet werden.

Keine allergischen Nebenwirkungen

"N-Chlortaurin" könne ohne konservierende Zusatzstoffe angewandt werden, wodurch keine allergischen Nebenwirkungen auftreten würden. Der Stoff verliere auch durch Gewöhnung nicht seine Wirkung. Die Daten, die in ersten Studien an Menschen gewonnen wurden, unterstützen die Ansicht, dass "N-Chlortaurin" einen "wichtigen Fortschritt" in der Behandlung von infektiösen Bindehautentzündungen bedeuten könne. Die bakteriellen Entzündungen seien innerhalb von drei Tagen geheilt worden. "N-Chlortaurin" könne auch in der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde eingesetzt werden.

Weitere Studien zur klinischen Wirksamkeit bei Infektionen in der Augenheilkunde, HNO-Heilkunde und anderen klinischen Fachgebieten befinden sich in Durchführung bzw. in Planung. (APA/pte)

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