Mindestlohn könnte 150.000 Frauen in Österreich nützen

11. März 2002, 13:37
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Vor allem Frauen mit Pflichtschulabschluss wären Gewinnerinnen

Wien - Rund 150.000 bis 170.000 Frauen verdienen in Österreich bei einer Vollzeitbeschäftigung weniger als 1.000 Euro im Monat. Das schätzt der stv. Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Alois Guger. am Freitag im Gespräch mit der APA. Sie wären daher die Hauptprofiteure eines Generalkollektivvertrages mit einem Brutto-Mindestlohn von 1.000 Euro, wie er zuletzt von der oberösterreichischen Landesrätin Ursula Haubner und von Sozialminister Herbert Haupt (beide F) gefordert wurde. Auch ÖGB und der SPÖ stehen hinter dieser Forderung.

Mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1.000 Euro käme man im Jahr auf rund 10.900 Euro netto. Vor allem Menschen, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, verdienen derzeit aber weniger. Das Medianeinkommen (50 Prozent beziehen weniger, 50 Prozent mehr) dieser Gruppe liegt bei den Frauen bei 11.278 Euro, bei den Männern beträgt es immerhin 15.363 Euro. Immerhin 155.000 weibliche und 266.000 männliche Erwerbstätige fallen aber in diese Gruppe. Das geht aus einer Studie, die von der Statistik Austria durchgeführt wurde, hervor. Fast die Hälfte der Frauen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, würde also von einem Generalkollektivvertrag profitieren.

Teilzeitbeschäftigte könnten auch profitieren

Die GewinnerInnen eines Generalkollektivvertrages wären aber nicht nur jene, die derzeit bei einer Vollzeitbeschäftigung weniger als 1.000 Euro verdienen. Indirekt wären auch sehr viele Teilzeitbeschäftigte betroffen, da mit dem Generalkollektivvertrag auch für sie die Stundenlöhne angehoben werden müssten. Und die Gruppe der Teilzeitbeschäftigten ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Im November des letzten Jahres waren immerhin bereits 17,4 Prozent teilzeit beschäftigt.

Bleibt nur abzuwarten, wie viel der Forderungen auch umgesetzt wird. Haupt erklärte sich unzuständig und verwies auf den Verantwortungsbereich der Gewerkschaften. ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch kritisierte am Freitag die fehlende Unterstützung der Arbeitgeberseite bei Kollektivvertragsverhandlungen. (APA)

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