Schilfbrand "absolut nichts Dramatisches"

8. März 2002, 15:30
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Wissenschaftlicher Leiter des Nationalparks: Rundherum genügend verschieden alte Schilfbestände vorhanden

Eisenstadt - Der spektakuläre Schilfbrand von Donnerstagabend, der sich von Illmitz bis nach Ungarn erstreckt hat und von dem auch Teile des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel betroffen waren, ist nach Ansicht des wissenschaftlichen Leiters des Nationalparks, Univ.-Prof. Dr. Alois Herzig von der Biologischen Station in Illmitz, für Natur und Nationalpark "absolut nichts Dramatisches". Er sehe darin keine Tragödie, meinte er im Gespräch. "Es hätte aber nicht passieren müssen auf diese Art und Weise", sagte er in Anspielung auf die vermutete Brandstiftung.

Das einzig Kritische wäre gewesen, wenn z. B. Graugans-Bruten vom Feuer großflächig betroffen gewesen wären. "Das scheint nicht der Fall zu sein", so der Wissenschafter. Es sei zwar ein großer Schilfbrand gewesen, "aber es sind noch immer rundherum genügend verschieden alte Schilfbestände vorhanden. Es ist jetzt nicht Tabula rasa im Nationalpark", beruhigt er. "Das wäre sehr unangenehm" - wegen der Nistmöglichkeiten und auch angesichts der Tatsache, dass das Altschilf den Grundstock für die Ernährungsbasis der Brutvögel bietet.

"Wenn das so ist, dass noch genügend Restbestände da sind, von wo aus sich eine Wiederbesiedelung ergibt, ist das nicht dramatisch. Aber es hat dramatisch ausgesehen, das muss ich zugeben", sagt Herzig. "Es war wirklich beängstigend. Man kann sich vorstellen, dass im Mittelalter die Leute davongelaufen sind, wenn eine Ortschaft gebrannt hat."

Von dem Schilfbrand betroffen war auch die Naturzone des Nationalparks, das Gebiet Sandeck-Neudegg südlich von Illmitz, in dem jede Form der Nutzung durch den Menschen ausgeschlossen ist. In den Altschilfbeständen brüten die großen Reiherarten (Grau-, Silber-, Purpurreiher) und Löffler. (APA)

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