KirchGruppe will ProSieben und Sat.1 nicht abgeben

8. März 2002, 14:01
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Medienkonzerne AOL Time Warner und Viacom wären an den Sendern interessiert

Die hoch verschuldete KirchGruppe will sich nicht von ihren Fernsehsendern ProSieben und Sat.1 trennen. Eine Veräußerung der Sender stehe für die Gruppe nicht zur Diskussion, bekräftigte ein Sprecher am Freitag in München. Die "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe) hatte berichtet, die Medienkonzerne AOL Time Warner und Viacom prüften ein Kaufangebot für Kirchs Anteil an dem Fernsehkonzern ProSiebenSAT.1 und dürften bereit sein, einen deutlichen Aufschlag zum aktuellen Börsenwert zu bezahlen.

Die Aktie reagierte am Freitag zunächst mit einem deutlichen Plus von fast 15 Prozent auf 9,74 Euro auf diesen Ausblick, gab dann aber wieder nach, als Zweifel an einem ernsthaften Interesse der Konzerne aufkamen.

Kirchs Verkaufsliste

Auch bei einem Treffen zwischen den drei Krisenmanagern und den wichtigsten Gläubigerbanken an diesem Montag (11. März) wird ein möglicher Verkauf der Kirch-Beteiligung an dem Fernsehkonzern nach Einschätzung von Branchenkennern kein Thema sein. Auf der Verkaufsliste könne aber der verlustreiche Nachrichtensender N24 stehen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete in ihrer Freitagausgabe, das "Deutsche Sportfernsehen" (DSF) sowie Lokalsender in München, Berlin und Hamburg stünden zum Verkauf an.

Auch profitable Konzernteile wie etwa die Beteiligung der Kirch-Familie am Teleshopping-Sender Hot sollten veräußert werden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Informationen aus der KirchGruppe. Zahlreiche Arbeitsplätze sollen wegfallen. Insgesamt beschäftigt die KirchGruppe knapp 10.000 Menschen.

Nächstes Treffen: 11. März

Bei dem Treffen an diesem Montag wollen die Krisen-Manager mit den Gläubigerbanken die genaue Finanzlage des Konzerns und mögliche Wege aus der Krise erörtern. Die KirchGruppe hatte die Berater Wolfgang van Betteray (Düsseldorf) und Klaus Hubert Görg sowie Unternehmensberater Hans-Joachim Ziems (beide Köln) vor zwei Wochen als externe Berater berufen (etat.at berichtete). Sie sind darauf spezialisiert, Unternehmen umzustrukturieren. Sie sollen auch prüfen, wie stark sich die Verluste im Bezahlfernsehen mit dem Sender Premiere auf die Finanzlage der Gruppe auswirken.

Die KirchGruppe ist nach eigenen Angaben mit 6,5 Mrd. Euro verschuldet. Wegen anstehender Zahlungsverpflichtungen muss in den nächsten Wochen eine Lösung für die Finanzkrise gefunden werden. Die Gläubigerbanken ringen seit rund drei Wochen intensiv um eine Lösung. In Branchenkreisen wird damit gerechnet, dass ein umfassendes Lösungskonzept für die Kirch-Krise in zwei bis drei Wochen vorliegen wird. (APA/dpa)

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