Vermutlich vor rund 30.000 Jahren Mutation bei Blutgerinnung

8. März 2002, 13:54
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Genanalyse kann individuelles Thrombose-Risiko aufzeigen

Jena - Mit einer Genanalyse kann heute das individuelle Thrombose-Risiko eines Menschen abgeschätzt werden. Nach Angaben des Jenaer Mediziners Günter Vogel sind insgesamt rund 30 verschiedene Faktoren an der Blutstillung beteiligt. Unter ihnen sei der nach seinem Entdeckungsort in den Niederlanden benannte "Faktor-V-Leiden" von besonderer Bedeutung. Er bewirke, dass die ausgelösten Blutgerinnungsvorgänge nicht rechtzeitig gestoppt würden.

Dadurch könnten zur falschen Zeit und am falschen Ort Blutgerinnsel (Thromben) entstehen. Etwa fünf Prozent der europäischen Bevölkerung trage diese "Faktor-V-Leiden"-Genmutation. In Ostasien sei sie dagegen kaum nachgewiesen worden, dort träten auch weit weniger Thrombosen auf. Auch Afrikaner, Afroamerikaner und Indianer trügen diese Mutation selten.

Mutation vermutet

"Es wird vermutet, dass sie vor etwa 30.000 Jahren auftrat und ihren Trägern zunächst einen Überlebensvorteil verschaffte, weil sie das Blut nach Verletzungen schneller gerinnen ließ. Bei den nun völlig veränderten Lebensgewohnheiten wird dieser zunächst nützliche Defekt jedoch zu einem Auslöser von Thrombosen", sagte Vogel. Denn viele äußere Risikofaktoren hingen direkt mit dem modernen Lebensstil zusammen, so zum Beispiel Bewegungsmangel, Übergewicht und die Einnahme der Pille.

Da die genetischen Daten in der Krankenakte des Betroffenen aufbewahrt würden, könnten sie allerdings auch von Versicherungen und Arbeitgebern im öffentlichen Dienst eingesehen werden. Vogel warnt deshalb vor Fehlinterpretationen oder unangemessenen Entscheidungen. (APA/AP)

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