EU: Förderung von Stammzellenforschung vorgesehen

8. März 2002, 19:10
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Ausnahme therapeutisches Klonen

Wien/Brüssel - Im 6. EU-Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung, das derzeit vorbereitet wird, ist im Bereich "Genomik und Biotechnologie im Dienste der Gesundheit" auch die Förderung von Stammzellenforschung vorgesehen. Gesamt sind dafür 2,2 Mrd. Euro vorgesehen, Einzelaufteilungen stehen noch nicht fest.

Im Entwurf des Programms ist nur von "stem cell research" die Rede, ohne nähere Angaben aus welchen Quellen die Stammzellen kommen. Möglich wäre demnach also auch die Förderung von Forschungen mit ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen.

Die EU-Kommission hat allerdings in Übereinstimmung mit dem Europäischen Parlament Vorschläge ethischer Grundsätze für Förderaktivitäten gemacht. Demnach sollen Forschungen, die auf reproduktives Klonen abzielen, im 6. Rahmenprogramm nicht gefördert werden. Auch die Förderung von Aktivitäten, die auf die Erzeugung von Embryonen rein zu Forschungszwecken abzielen, soll ausgeschlossen werden. Dies soll auch für therapeutische Klonen gelten.

Forderungen

Beim letzten EU-Forschungsministerrat im Dezember vergangenen Jahres haben sich Deutschland, Italien und Österreich in einer Protokollanmerkung dieser Meinung angeschlossen. Sie forderten darüber hinaus, dass auch Arbeiten mit überzähligen Embryonen nicht im 6. Rahmenprogramm gefördert werden, solange darüber kein Abkommen auf europäischer Ebene besteht. Darüber hinausgehend hat damals Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) für Österreich gefordert, dass "aus Mitteln des 6. Rahmenprogramms überhaupt keine Forschungsarbeiten an existierenden Stammzelllinien gefördert werden sollten". Auch hier ist die Formulierung etwas vage, gemeint sind aber wohl existierende embryonale Stammzellen, da es etwa von den ethisch unbedenklichen adulten Stammzellen noch keine Linien gibt. Nachdem sich Österreich derart festgelegt hat, wurde nun auch die Bioethik-Kommission der Bundesregierung beauftragt, sich mit dem 6. Rahmenprogramm zu beschäftigen und eine Empfehlung auszuarbeiten.

Im derzeit laufenden 5. Rahmenprogramm werden übrigens bereits Forschungsprojekte mit Stammzellen gefördert. Nach Angaben von Christian Krassnig vom Büro für internationale Forschungs- und Technologiekooperation (BIT) sind es 15 bis 20 Projekte, an denen etwa 120 Wissenschafter-Gruppen beteiligt sind. Die humanen Stammzellen in diesen Projekten würden aber ausschließlich aus Nabelschnurblut und aus fetalem bzw. adulten Gewebe stammen. Auch im 5. Rahmenprogramm werden Forschungsarbeiten zum reproduktiven Klonen sowie die Erzeugung von menschlichen Embryonen nur zu Forschungszwecken nicht gefördert. (APA)

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