ÖGB bekräftigt 1.000 Euro-Mindestlohn-Forderung

8. März 2002, 20:02
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Verzetnitsch: Neuregelung der Nachtarbeit, Kinderbetreuung, atypisch Beschäftigte

Wien - ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch nahm am Freitag die gestrige Forderung von Frauenminister Herbert Haupt (F) nach einem Mindestlohn von 1.000 Euro für Frauen auf: Dieses Anliegen sei nicht neu, die Gewerkschaft mache sich dafür schon lange stark, allerdings nicht nur für Frauen, sondern für alle. Angesichts des heutigen Frauentags wiederholte Verzetnitsch die dringendsten Hürden für Gleichbehandlung: fehlende Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, geschlechtsneutrale Regelung der Nachtarbeit und bessere Absicherung der atypisch Beschäftigten.

Für die Umsetzung eines 1.000-Euro-Mindestlohns brauche man in den Kollektivvertragsverhandlungen die Zustimmung der Arbeitgeberseite - "und die gibt es nicht in allen Bereichen", sagte Verzetnitsch in einer Aussendung. "Die niedrigen Durchschnittseinkommen der Frauen ergeben sich auch daraus, dass viele kein unbefristetes Vollzeit-Dienstverhältnis haben, sondern atypisch beschäftigt sind".

Frauenrolle Zuverdienerin

Nötig seien deshalb zum einen bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, damit Frauen nicht länger in die Rolle der Zuverdienerin gedrängt würden. "Hier hat die Regierung massiven Handlungsbedarf, die Vorstöße des Arbeitsministers gehen freilich in die Gegenrichtung", erinnert Verzetnitsch an die Vorschläge Minister Bartensteins nach einer Anhebung der täglichen Höchstarbeitszeit und einer weiteren Ausweitung der Ladenöffnungszeiten.

Zudem müssten die atypisch Beschäftigen selbst besser abgesichert werden. Unerledigt, aber dringend nötig sei auch die geschlechtsneutrale Neuregelung der Nachtarbeit. Eine Anpassung an das EU-Recht sei noch immer nicht erfolgt. "Die Regierung hat hier massiven Handlungsbedarf. Wir sind jederzeit gesprächsbereit und bieten gerne unsere Lösungsvorschläge an", erklärte der ÖGB-Präsident abschließend. (APA)

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