Diabetes-Gene einer deutschen Bevölkerungsgruppe gesucht

8. März 2002, 10:33
posten

Genetische Ursachen bei Typ-2-Diabetes variieren offenbar je nach Population

Würzburg - Schon seit langem ist der Wissenschaft bekannt, dass der Typ-2-Diabetes auch genetische Ursachen hat. Doch diese sind bei zuckerkranken Mexikanern offenbar anders als bei Finnen und bei diesen wieder anders als bei Amerikanern aus Utah, wie die Universität Würzburg berichtet. Vor diesem Hintergrund wollen nun Wissenschafter der Medizinischen Klinik die Diabetes-Gene bei einer deutschen Bevölkerungsgruppe identifizieren: Derzeit untersuchen sie die DNA-Proben von 400 Geschwisterpaaren aus Sachsen.

Bei Diabetes führen komplexe Stoffwechselstörungen zu einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel, der wiederum typische Spätschäden an Augen, Nieren, Nerven, Herz und am Blutgefäßsystem verursacht. Der Typ-2-Diabetes, der früher auch Altersdiabetes genannt wurde, ist die häufigste Form der Zuckerkrankheit. In Deutschland leiden rund 4,7 Millionen Menschen daran, weitere 300.000 am jugendlichen Typ-1-Diabetes. Gehäuftes Auftreten der Krankheit in Familien oder bei eineiigen Zwillingen zeigen die Bedeutung der genetischen Ursachen.

Sehr geringe Fortschritte bisher

Bei der Identifizierung der verantwortlichen Gene machte die Medizin aber bisher nur sehr geringe Fortschritte, wie der Würzburger Experte Tom Lindner berichtet: "Klar ist, dass ein einzelner genetischer Faktor kaum in der Lage wäre, den Diabetes auszulösen. Das geschieht nur im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren." Diese bestimmten letzten Endes, in welchem Ausmaß Umwelteinflüsse wie Übergewicht oder Stress den Blutzuckerspiegel beeinträchtigen könnten.

All dies könnte nach Ansicht der Mediziner auch erklären, warum sich der Diabetes in den so genannten Wohlstandsländern mit deren vielen chronisch übergewichtigen Menschen häuft, während er in ärmeren Staaten oder in Kriegszeiten viel seltener vorkommt. Es würde zudem erklären, warum sich für die Zuckerkrankheit vom Typ 2 kein klassisches Vererbungsmodell bestimmen lässt, da einfach zu viele kleine Gen-Effekte bei der Entwicklung des Leidens mitmischen.

Unterschiedliche Diabetesregionen

1996 war nach Angaben der Wissenschafter erstmals das gesamte Erbgut von 346 mexikanischen Geschwisterpaaren mit Diabetes untersucht worden. Ergebnis: Die Erkrankung war ziemlich eindeutig an eine Region auf Chromosom 2 gekoppelt. Doch bei anschließenden Untersuchungen anderer genetisch relativ einheitlicher Bevölkerungsgruppen - etwa den Pima-Indianern im Süden der USA oder einer schwedisch sprechenden Minderheit an der Westküste Finnlands - entdeckten die Forscher immer andere potenzielle Diabetesregionen.

Die Experten schließen daraus, dass es möglicherweise bei verschiedenen Populationen auch verschiedene Genkombinationen gibt, die die Entstehung des Typ-2-Diabetes beeinflussen. Daher wollen die Mediziner nun eine spezielle Bevölkerungsgruppe in Deutschland untersuchen. Entsprechende Studien laufen zur gleichen Zeit auch in England, Frankreich, Schweden und Finnland. Die DNA-Proben der 400 sächsischen Geschwisterpaare sind bereits gesammelt und werden derzeit untersucht. (APA/AP)

Share if you care.