FPÖ-Volksanwalt attackiert Keith Haring-Ausstellung

15. März 2002, 11:24
48 Postings

Stadler spricht von "sexistischer Ausstellung mit pornografischem Charakter"

Linz - Die Ausstellung ist das Highlight der Neuen Galerie in Linz: 19 großformatige Gemälde und 42 Zeichnungen des weltberühmten Künstlers Keith Haring sind noch bis 21. April zu sehen. Für FP-Volksanwalt Ewald Stadler ist diese Ausstellung "sexistisch mit pornografischem Charakter".

Der Freiheitliche bezeichnet es als Skandal, dass minderjährige Pflichtschüler per Erlass vom Landesschulrat zum Besuch aufgerufen werden. "Ich würde meinen Kindern nicht gestatten, die Ausstellung zu besuchen." Obendrein bewerbe das Land Oberösterreich auch noch diesen "Schmarrn" und refundiere die Eintrittsgelder der Schüler, lauten die Anschuldigungen Stadlers. Am Freitag kündigte er an, bei der Unterrichtsministerin eine Prüfung der Umstände zu beantragen.

Besorgte Bürger hätten sich an ihn gewandt und berichtet, dass Kinder vor Exponaten "mit homosexuellen, sodomistischen und blasphemischen Handlungen" stünden und lautstark ihre persönlichen Eindrücke formulieren müssten. Unzumutbar findet auch der Volksanwalt, dass sich Schüler im Rahmen des Unterrichts derartiges ansehen müssten. Denn dies sei der ausdrückliche Wunsch des Landesschulrats.

"Ich habe diese Ausstellung Schulen empfohlen wie jede andere in einem öffentlichen Raum", nimmt Schulratspräsdent Fritz Enzenhofer Stellung. Weil er sich aber der Themen von Harings Werken wie Tod, Gewalt, Sünde und Macht bewusst gewesen sein, habe er im Erlass noch hinzugefügt: "Gerade bei Ausstellungen mit existenzialistischen Inhalten, die provozieren und polarisieren, ist erhöhte Sensibilität gefragt." Der mit 31 Jahren an Aids gestorbene Künstler habe eben nicht nur seine berühmt gewordenen Strichmännchen-Graffitis gesprüht.

"Jede unserer Führungen ist altersgemäß", versichert auch Claudia Kern von der Neuen Galerie. Rund zehn Schulklassen kämen pro Tag. Alle würden von Museumspädagogen begleitet. Die Resonanz auf die Ausstellung sei bisher positiv ausgefallen.

Der Vorwurf, "Sauereien" zu zeigen, ist für Kern nicht neu. Bereits vor vier Wochen hatte ein pensionierter HTL-Professor Anzeige erstattet, jedoch ohne Erfolg. Die Plakatwerbung für die Haring-Ausstellung verstoße gegen das Pornografiegesetz.

Auch beim Land kursiert ein Schreiben ähnlichen Inhalts. Außerdem enthält es den Vorwurf, Oberösterreich subventioniere die Ausstellung, was von der Landeskulturdirektion ebenso dementiert wird wie die Behauptung, Eintrittsgelder würden eingestrichen. "Alles Quatsch", so alle Beschuldigten zu Stadlers Anschuldigungen. (ker - DER STANDARD, Print, Sa./So., 9.03.2002)

Share if you care.