Sozialforscher Marin: Abfertigung Neu ist "Demokratisierung"

8. März 2002, 16:16
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"Es werden alle etwas bekommen, aber weniger" - Blecha: Teil des Gehalts und nicht der Pension

Salzburg - Mit der Abfertigung Neu käme es zu einer "Demokratisierung" der Leistungen. Das erklärte der Leiter des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, Bernd Marin, am Donnerstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Abfertigung Neu" in Salzburg. Der Großteil der Arbeitnehmer hätte die Abfertigung bisher nur "vom Hörensagen" gekannt. Nur bei zwölf Prozent aller aufgelösten Arbeitsverhältnisse sei es zu einer Abfertigung gekommen.

Marins Prognose: "Es werden alle etwas bekommen, aber weniger." Zu den Gewinnern der "Abfertigung neu" gehörten Personen, die lange Standardkarrieren hätten. Verlieren seier Menschen, die steile und sprunghafte Karriereverläufe hätten, berufliche Späteinsteiger oder Personen mit Arbeitsunterbrechungen. Diskutiert wurde am Donnerstag auf Basis des Übereinkommens der Sozialpartner.

Grundsätzlich kann Marin der geplanten Regelung etwas abgewinnen: Mit dem beitragsorientierten System komme "ein Stückchen Gesundheit ins Denken": Es lohne sich, zu arbeiten. Wer länger arbeite, bekomme auch mehr.

Zwei Millionen Menschen nach 10 Jahren

Nach zehn Jahren werden rund zwei Millionen Menschen im neuen System teilnehmen, rechnet der Vorstandsvorsitzende der BVP Pensionskassen AG, Karl Timmel. Wenn man davon ausgehe, dass 90 Prozent der Arbeitnehmer nach drei Jahren ihr angesammeltes Geld wieder abziehen, dann befänden sich nach zehn Jahren 3,5 Mrd. Euro in den Abfertigungskassen. Bei einer Entnahmewahrscheinlichkeit von 60 Prozent erhöhe sich das Kapital auf 4,5 Mrd. Euro, rechnete Timmel vor.

Derzeit würde an einer Datenplattform gearbeitet, um die so genannten Rucksack-Transaktionen - Arbeitnehmer, die ihre Ansprüche mitnehmen, wenn sie ihr Beschäftigungsverhältnis wechseln - zu bewältigen. Geplant sei ein "Clearing auf Knopfdruck".

Blecha: Teil des Gehalts und nicht der Pension

Der Präsident des SPÖ-Pensionistenverbandes, Karl Blecha, betont, dass die Abfertigung Teil des Aktiveinkommens und nicht der Pension sei. Die Arbeitnehmer müssten daher die volle und uneingeschränkte Wahlfreiheit haben, wie sie darüber verfügen, so Blecha in einer Aussendung am Freitag.

Ein Vermengen der Abfertigung mit der Pension sei unzulässig, weil für die betriebliche Altersvorsorge vor allem die Unternehmen aufzukommen haben. Unter dem Vorsitz von Blecha tagt am Freitag in Brüssel die Europäische Seniorenorganisation (ESO). Mit ranghohen Vertretern der EU-Kommission und dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Fraktion (SPE) im Europaparlament, Enrique Baron Crespo, werden die "brennenden Fragen der Alterssicherung" diskutiert. (APA)

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