Springer-Verlag erwägt Insolvenzantrag gegen Kirch

9. März 2002, 12:46
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767 Millionen Euro für Senderanteile sollen zurück

Hamburg - Der Axel Springer Verlag prüft offenbar, einen Insolvenzantrag gegen die schwer angeschlagene Münchner Kirch-Gruppe zu stellen. Mit dem Gang vor Gericht wolle der Berliner Verlag die 767 Millionen Euro für seine Beteiligung an der ProSiebenSat.1 AG zurückfordern, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Samstag vorab berichtete. Eine Sprecherin des Springer Verlags wollte den Bericht wegen der "laufenden Gespräche" nicht kommentieren.

Zwischen Kirch und Springer tobt seit Ende Jänner ein offener Streit um die Rückzahlung der Anteile. Springer beharrt auf eine im Jahr 2000 ausgehandelte Option, sein Aktienpaket von 11,5 Prozent an der TV-Senderfamilie zu dem hohen Fixpreis zurückzugeben. Die Kirch-Gruppe erkennt die Vereinbarung nicht an, weil nach ihrer Auffassung wesentliche Vertragsteile nie notariell beurkundet wurden. Weil der Kurs der ProSieben-Aktie seitdem stark gefallen ist, wird der Wert des Springer-Anteils auf nur noch 100 Millionen Euro geschätzt.

Bank involviert

Der Münchner Medienkonzern hält gleichzeitig einen 40-Prozent-Anteil am Axel-Springer-Verlag. Laut "Spiegel" hat der Verlag eine Bank eingeschaltet, um unter reichen deutschen Familien Interessenten für einen Privatfonds zu finden, der die Anteile übernehmen soll.

Die hoch verschuldete Kirch-Gruppe ist vom Wohlwollen ihrer Gläubigerbanken abhängig. Medienberichten zufolge muss der Konzern den Banken bis kommenden Montag ein umfassendes Sanierungskonzept vorlegen. Neben einem weit reichenden Stellenabbau wurde mit der Schließung defizitärer Lokalsender in München, Berlin und Hamburg gerechnet. Die Kreditlinie Kirchs von 7,3 Milliarden Euro bei den Banken soll nahezu ausgeschöpft sein. (APA)

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