"Therapie"-Klonen klappt bei Mäusen

8. März 2002, 19:44
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Auch Meldungen über Menschenklone häufen sich

Cambridge - Das umstrittenste Zukunftsverfahren der Medizin, das "therapeutische Klonen", wurde erstmals zur Gänze durchgespielt: "Wir haben an Mäusen gezeigt, dass es grundsätzlich funktioniert und auch am Menschen möglich sein sollte", berichtet Rudolf Jaenisch, Molekularbiologe am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge: "Und wir haben gezeigt, dass man in dieses Verfahren eine Gentherapie integrieren kann."

Beim "therapeutischen Klonen" sollen aus einer Körperzelle und einem Ei Embryos erzeugt werden, die immunverträgliche Transplantate für jene Person liefern, von der die Körperzelle stammt. Ob eigens dafür Embryos erzeugt (und zerstört) werden dürfen, ist ethisch höchst umstritten, technisch geht es: Jaenisch hat Mäusen, die kein Immunsystem haben, zu einem verholfen.

Zunächst hat er die Mäuse aus Schwanzzellen geklont. Da in diesen aber - wie in den ganzen Mäusen - die Gene für das Immunsystem defekt sind, wurden im zweiten Schritt in die Klone Fremdgene für ein Immunsystem eingebaut.

Technische Hürden

Den Embryos wurden dann Stammzellen entnommen, die im Körper der Transplantatempfänger das Immunsystem zumindest teilweise aufbauten. Dass sie es nicht ganz taten, ist das eine technische Problem. Das zweite zeigte sich darin, dass man embryonale Stammzellen von Mäusen zwar in Zellkultur dazu bringen kann, Immunzellen zu werden. Aber im Körper ging das bisher nicht. Durch den Einbau eines weiteren Fremdgens konnten die Forscher das Problem lösen, warnen aber, dass auf dem Weg zum Menschen noch viele technische Hürden auftauchen werden.

Trotzdem tasten sich nicht alle Forscher vorsichtig an Versuchstieren voran wie Jaenisch. Nachdem gerade bekannt wurde, dass in China schon viele menschliche Embryos geklont wurden, melden nun auch südkoreanische Forscher einen Klon: ein Mischwesen, bei dem menschliche Erbinformation in das Ei einer Kuh eingebaut wurde. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. /10. 3. 2002)

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