Von der anonymen zur gewollten Geburt

8. März 2002, 08:30
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Babynestberatung in Wiener Neustadt

Wiener Neustadt - Nach einer anonymen Geburt drohe "die Frau psychisch oft unter die Räder zu geraten", meint Helene Neumayr von der Wiener Neustädter Jugendberatungsstelle Auftrieb. Weil "die ganze Aufmerksamkeit dem Baby gewidmet" werde.

Dann hadere die - in vielen Fällen sehr junge - Mutter oft mit ihrem Entschluss: Letzten Endes habe sie ihr Kind zur Adoption freigeben müssen, könne diese Entscheidung aber binnen Frist rückgängig machen.

Eine ambivalente Situation, die Hilfestellung notwendig mache: "Vielleicht sogar regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg", riet die Pädagogin. Anlass: Die Vorstellung des Projekts "Begleitende Beratung zur anonymen Geburt und Babynest" in der Jugend- und Suchtberatung.

Das heuer vom Generationenministerium Herbert Haupts (FPÖ), dem Land Niederösterreich und der Stadt um 33.336 Euro finanzierte Beratungsangebot soll die Einrichtung einer Babyklappe im Wiener Neustädter Schwerpunktkrankenhaus ergänzen. Diese wurde bisher noch nicht genutzt. Im Unterschied zu dem seit Juni 2001 bestehenden Angebot, ohne Identitätsangabe zu gebären.

Infokampagne geplant

"In Wiener Neustadt, in Korneuburg und in Baden hat bisher je eine Frau ihr Kind anonym zur Welt gebracht, in Mödling waren es zwei", zieht man im Büro von Niederösterreichs Soziallandesrätin Liese Prokop (VP) landesweite Zwischenbilanz. Und kündigt eine Informationskampagne über anonyme Geburt in den nächsten Wochen an, samt Hotline und zentraler Adoptionsstelle beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung.

Besser noch natürlich, wenn die Unterstützung früher ansetze, ergänzt Auftrieb-Mitorganisatorin Anna Lesnik. Also vor der Schwangerschaft oder zumindest in deren ersten drei Monaten, wo auch die Abtreibung noch eine Option sei.

In diesem Sinne werde die in Wiener Neustadt angebotene Beratung von jungen Frauen dort stattfinden, wo diese ihren Alltag verbrächten: in der Schule und möglichst nah an den Cliquen und Freundeskreisen. Eine Notwendigkeit, um ungewollte oder ungeplante Schwangerschaften zu verhindern. Weil "über das Tabuthema Sexualität heutzutage scheinbar offenherzig gesprochen wird, die jungen Frauen aber die Informationen oft nicht mit sich selbst in Verbindung bringen". (bri)

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 08. März 2002)

Hotline:

fon: +43 2742 90 05- 16431 oder -16416
Beratungsstelle Auftrieb:

fon: +43 2622 277 77
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