Kein Bescheid, keine "Musi"

7. März 2002, 21:17
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Sofiensäle: Denkmalamt will Schutzbescheid vorerst nicht bestätigen

Wien - "Es gibt keinen Bescheid, der verbindlich wäre, also gibt es von uns keine inhaltliche Stellungnahme." Karl Pistotnik, Aufsichtsratsvorsitzender der Sofiensäle AG, will zur Zukunft der Sofie noch nichts sagen. Es sei, betont der Herr über das im vergangenen August abgebrannte historische (Tanz-)Etablissement im dritten Bezirk, nämlich keineswegs so, wie manche Medien - und in Folge Bürgerinitiative, ÖVP und FPÖ - gejubelt hatten: "Es ist nämlich nichts entschieden."

Am Donnerstag hatte die Presse verlautet, das Bundesdenkmalamt habe beschieden, dass das Gebäude wieder aufzubauen sei. Seitens der staatlichen Denkmalschützer gibt man sich allerdings deutlich zurückhaltender. Landeskonservatorin Eva-Maria Höhle bestätigte lediglich, dass ein Bescheidentwurf dem Eigentümer der Sofiensäle und dem Landeshauptmann übermittelt worden sei. Inhaltlich könne sie keine Aussage machen, in zwei bis drei Wochen werde es eine öffentliche Bekanntgabe der Entscheidung geben.

Freude . . .

Dennoch können die Befürworter des Wiederaufbaus mit ihrer Freude über den - erwarteten - Spruch kaum hinterm Berg halten. Viktor Zdrachal, der Sprecher der Bürgerinitiative zur Rettung der Sofiensäle, hofft auf einen Eigentümerwechsel und sähe am Ort der Tanzstätte gerne ein "Strauß-Zentrum" errichtet. Dies sollte sich über Sponsorengelder und Einnahmen aus Veranstaltungen selbst finanzieren.

Während auch der geschäftsführende Klubobmann der Wiener ÖVP, Matthias Tschirf, jubelt und laut über eine Nutzung eingedenk des Vermächtnisses der Walzerdynastie nachdenkt, fordert die Junge ÖVP - ebenfalls im Wiedererrichtungsjubel - eine Location für die Jugendszene: Vor ihrem Flammentod im August waren die Säle so heruntergekommen, dass sie gerade noch für nächtliche Clubbings taugten.

Auch bei der FPÖ ist die Begeisterung groß: Von einem "Sieg der Vernunft", an dem die FPÖ maßgeblich beteiligt gewesen sei, spricht etwa FP-Mandatar Johann Herzog. Ihm schwebt vor, den historischen Teil der Sofiensäle in einen modernen Hotelkomplex zu integrieren: "Eine reizvolle Verbindung von Alt und Neu."

. . . und Zurückhaltung

Unbeeindruckt von der Euphorie zeigt sich indes das Planungsressort im Rathaus: Ihm seien die Pressemeldungen bekannt, erklärte Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP). Sollten diese sich als korrekt herausstellen, "wäre die noch aufrechte Baubewilligung mit einem Hotel um den Saal herum konsumierbar. Sollte allerdings vom Bundesdenkmalamt der Abbruch ermöglicht werden, dann bin ich dafür, dass ein Architektenwettbewerb für ein neues Projekt ausgeschrieben wird."
(aw, rott/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 3. 2002)

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