Neue Waffe gegen Flussblindheit

7. März 2002, 19:14
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Erreger ist ein Bakterium und mit Antibiotika bekämpfbar

Hamburg/Wien - "Wir haben ein ganz neues Bild der Entstehung und Bekämpfung der Flussblindheit gewonnen", sagt Achim Hoerauf, Tropenmediziner an der Uni Hamburg, zum STANDARD: "Das gibt uns langfristig die Perspektive, das Leiden auszurotten."

Flussblindheit kommt mit einem - von Fliegen übertragenen - parasitischen Wurm, der im menschlichen Körper einen halben Meter groß wird und 15 Jahre lang leben kann.

Gefährlich sind seine winzigen Larven, die zu Millionen in die Haut wandern und ins Auge, das mit Entzündungen reagiert, die zu Erblindung führen können. Glaubte man bisher, dass das Immunsystem auf die Larven selbst reagiert, hat Hoerauf mit seiner Gruppe gezeigt, dass die Reaktion von Bakterien ausgelöst wird, die mit den Würmern vergesellschaftet sind, in ihnen leben: Ohne sie können die Würmer sich nicht reproduzieren.

Die Bakterien können mit einem gängigen Antibiotikum bekämpft werden, aber das muss vier bis sechs Wochen lang verabreicht werden - "man kann damit keine Massentherapie an den hundert Millionen Bedrohten in Afrika durchführen." Solange nicht ein rascher wirkendes Antibiotikum gefunden ist, muss man sich mit einem alten Medikament behelfen, das die Larven tötet, aber nicht den erwachsenen Wurm. Gegen ihn hilft nichts, er produziert auch immer wieder Larven.

Aber eine halbjährliche Gabe des Medikaments könnte die Larven immer wieder dezimieren und die Krankheit regional so weit zurückdrängen, dass das Antibiotikum sie schließlich zum Verschwinden bringen könnte. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 3. 2002)

Vgl. Science, Vol. 295, S. 1892
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