Das Derby, die Welle und Herzogs Stress

8. März 2002, 10:40
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Rapid und Austria im Versuchsstadium - Herzog: "Ich darf mich nicht verrückt machen. Ich bin noch nicht torgefährlich."

Wien - Als Lothar Matthäus meinte, das 1:1 gegen die Wiener Austria "ist vielleicht das beste Meisterschaftsspiel von Rapid gewesen, seit ich da bin", wurde es offensichtlich. Matthäus ist auf seine Art ein bescheidener Mann (geworden). Tiefenpsychologen könnten diese Aussage als leise Selbstkritik interpretieren.

Wellenbewegung in der Offensive

Aber Matthäus hatte gar nicht so Unrecht, was wiederum schlimm genug ist und durch den siebenten Tabellenplatz (Tendenz allerdings steigend) belegt ist. Er wiederholte seine Philosophie vom Fußball: "Er soll attraktiv und erfolgreich sein, das Match soll diktiert werden. Zu Hause und auswärts. Ich brauche laufstarke Leute, manche haben das kapiert, manche noch nicht." Was er bei Rapid unbedingt sehen möchte: "Die Wellenbewegung in der Offensive." Soll heißen: ein gemeinsames Vorrücken der Mannschaftsteile, Tormann natürlich exklusive.

Wellchen Herzog

Wellenbrecher müsste wohl Andreas Herzog sein, der ist (noch) ein Wellchen. Austrias Trainer Didi Constantini kennt und mag Herzog. "Er verspürt zu viel Stress, das merke ich an seiner Körpersprache." Trotzdem wurde Troyansky zur Bewachung abgestellt. Constantini: "Man muss ihn decken, weil er ein Klassefußballer war und ist."

Herzog gab zu, unter Druck zu stehen. "Ich darf mich nicht verrückt machen. Ich bin noch nicht torgefährlich." Andererseits: "Zwei Siege, ein Remis, da kann man mit der neuen Mannschaft zufrieden sein." Erstaunt sei er über die Kulisse gewesen. "15.000 Zuschauer, eine Stimmung, die keinen internationalen Vergleich scheuen muss."

Austria und Rapid bei der Selbstfindung

Constantini sah das ähnlich. "Warum sollen wir das Derby schlechtreden. Es war kampfbetont. Was ist gut? Was ist schlecht?" Die Austria sei immerhin auf dem Weg, sich zu finden, das gelte auch für Rapid. "Platzierungen täuschen. Nur der FC Tirol ist eine Klasse für sich."

"Harte Nuss" Kärnten

Tirol siegte am Mittwoch in Kärnten 2:0, Walter Schachner gratulierte dann zum Titel, sein Platzhalter Constantini schloss sich gestern an. "Da braucht man nicht herumreden. Tirol ist eingespielt, jeder kennt die Laufwege des anderen, sie sind auf den Endzweck aus, pflegen einen einfachen Stil." Die Austria muss am Sonntag in Innsbruck antreten, Rapid empfängt am Samstag Kärnten. Matthäus: "Eine harte Nuss." Constantini: "Wir versuchen, Fußball zu spielen." (DER STANDARD-Printausgabe, Freitag, 8. März 2001, hac)

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