Eine Spur zu 13.000 Inseln

7. März 2002, 19:38
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Südostasien gilt als idealer Rückzugsraum für die El-Kaida

Jakarta - Wo ist Hambali? Diese Frage beschäftigt Polizei und Regierung in Indonesien und irritiert offenbar zunehmend die USA. Nurjuman Riduan Isamuddin alias Hambali soll das Missing Link zur Al-Qa'ida sein, das fehlende Glied, das Südostasiens muslimische Welt mit Osama Bin Ladens Terrororganisation verbindet. Hambali wird darüber keine Auskunft geben: Der angebliche Finanzchef der Al-Qa'ida in der Region wurde zuletzt vergangenen Oktober in Indonesiens Hauptstadt Jakarta gesehen und ist seither verschwunden.

Nun schieben Indonesien, Malaysia und Singapur - alles Nachbarstaaten mit moderater muslimischer Bevölkerungsmehrheit, aber schwieriger ethnisch-religiöser Balance - einander die Frage nach dem Versteck Hambalis zu. Garantiert nicht in Indonesien, sagen Minister in der Regierung von Megawati Sukarnoputri, die nicht anders als ihre Kollegen in Malaysia und Singapur keine Investoren und Touristen abschrecken wollen. Andere sind sich nicht so sicher. "Sehen Sie sich die Karte an der Wand an", sagt ein Beamter im Außenministerium in Jakarta und deutet auf Indonesiens Salat von 13.000 Inseln zwischen Pazifik und Indischem Ozean, "das ist unmöglich zu kontrollieren."

Eben dies lässt die US-Regierung ungehalten werden. Indonesien sei ein bequemes Bett für Terroristen, klagte Singapurs "Senior Minister" Lee Kuan Yew Ende Februar und löste in Jakarta Empörung in der Regierung wie auf der Straße aus. Die Amerikaner hätten Lee nur vorgeschickt, sagen nun besonnenere Beobachter in der Stadt. Der politische Druck von außen muss groß sein: Indonesiens Polizeichef Da'i Bachtiar hat innerhalb einer Woche drei Inspektorenteams nach Malaysia und Singapur expediert, die dort inhaftierte Verdächtige indonesischer Staatsbürgerschaft verhören sollten. Denn anders als in Indonesien halten Singapur und Malaysia seit Jahresbeginn eine halbe Hundertschaft mutmaßlicher Terroristen fest - ohne Anklage, wie es der Internal Security Act schon immer erlaubte.


Anschläge in Manila

Die Spuren führen angeblich alle nach Indonesien: Von Solo auf der indonesischen Insel Java aus soll Abu Bakar Ba'asyir die extremistische Jemaah Islamiyah führen, deren Ableger in die Nachbarländer reichen und die vor allem in Verbindung mit der Al-Qa'ida stehen soll. Durch Ba'asyirs Koranschule gingen mutmaßliche Extremisten wie Fathur Rohman al-Ghozi, ein 31-jähriger Indonesier, der im Jänner auf den Philippinen verhaftet wurde. Al-Ghozi gestand eine Serie von Bombenanschlägen in Manila am 30. Dezember 2000 und führte die Vermittler zum Versteck einer Tonne Sprengstoff in seinem Haus. Der Sprengstoff soll für einen Anschlag auf die US-Botschaft in Singapur gedacht gewesen sein.

Ba'asyir wird nun auch von vier indonesischen Häftlingen in Malaysia belastet. Der Geistliche sollte die Führung einer extremistischen Gruppe in Malaysia übernehmen, möglicherweise eines neuen Flügels der Kumpulan Militan Malaysia (KMM). Die vier Terrorverdächtigen hätten auch ausgesagt, dass sie von Hambali angeleitet wurden, Ba'asyirs "Leutnant", gab Indonesiens Polizeichef Da'i nach der Rückkehr des ersten Inspektorenteams an.

Trotz dieser Indizien hält zumindest Indonesiens Polizei - Geheimdienstchef Hendropriyono äußert sich bisweilen anders - an der These des national begrenzten Terrorismus fest: Ba'asyir wurde bereits zweimal zum Verhör ins Polizeipräsidium vorgeladen, wies alle Anschuldigungen einer internationalen Verbindung - zur Al-Qa'ida - zurück und ging seiner Wege. Diesen Mittwoch erhielt er die dritte Vorladung. Hambali wiederum wird allein wegen einer Anschlagserie auf christliche Kirchen in Indonesien zu Weihnachten 2000 gesucht. Nur finden müsste man ihn. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.3.2002)

Standard-Redakteur Markus Bernath recherchiert in Jakarta
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