"Herb enttäuschte" Forschungsförderer

7. März 2002, 19:24
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Der FWF klagt über ein heuer erstmals seit dreizehn Jahren geschrumpftes Budget

Wien - Die Dotierung des Förderungsfonds für die wissenschaftliche Forschung (FWF) im heurigen Jahr sei eine "herbe Enttäuschung", klagte dessen Präsident, TU-Professor Arnold Schmidt, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Erstmals seit 13 Jahren werde das Budget heuer sinken, und zwar um vier Prozent auf knapp über 90 Mio. Euro (1,24 Mrd. S). Im vergangenen Jahre hatte der Fonds noch die bisherige Rekordsumme von knapp 94 Mio. Euro zur Verfügung gehabt.

Das bedeute zwar keine akute Gefährdung der laufenden Fondsaktivitäten, aber das Ziel, den Anschluss an internationale Niveaus zu finden, sei damit nicht zu erreichen, erklärte Schmidt. Vor allem aber sei die Mittelreduktion ein falsches Signal: Entgegegen allen vollmundigen Versprechungen werde nun eben doch gerade in der Grundlagenforschung gespart.

Erst am Mittwoch hatte der Rat für Forschung und Technologieentwicklung in einem Umlaufbeschluss aus den Forschungssondermitteln der Regierung eine Zuteilung an den FWF in der Höhe von 18,17 Mio. Euro (250 Mio. S) empfohlen. Eine Entscheidung über den Dotationsantrag des FWF in der Höhe von 25,41 Mio. Euro war ja bei den vergangenen beiden Sitzungen jeweils vertagt worden. Die Gesamtfinanzierung des FWF werde aber noch Gegenstand weiterer Diskussion bleiben, hieß es dazu in der Ratsbegründung, wobei man aber klarstellte, dass nicht mit weiteren Mitteln aus dem Technologietopf zu rechnen sei.

Ermessensbindung

Während der Mittelzufluss an den FWF vom Forschungsrat damit gegenüber 2001 konstant bleibt, schlägt heuer die Bindung der Ermessensausgaben im Ausmaß von drei Prozent voll auf den Budgetansatz durch. Im Vorjahr hatte das Infrastrukturministerium die Kürzung noch durch interne Umschichtungen für den FWF abgefangen.

Zudem habe die Oesterreichische Nationalbank signalisiert, dass sie heuer keine Überhänge aus dem Vorjahr habe und daher nicht mehr als 25,4 Mio. Euro beisteuern könne, sagte Schmidt. 2001 hatte es noch 27,9 Mio. Euro von der OeNB gegeben.

Frisches Geld ab 2004

Der Forschungsrat sprach am Mittwoch auch eine Empfehlung für 6,29 Mio. Euro für die Akademie der Wissenschaften und zwei Mio. Euro für ein vom Wissenschaftsministerium eingereichtes Programm zur Demokratieentwicklung aus. Damit bleiben noch knapp 22 Mio. Euro aus dem ursprünglich mit 0,5 Mrd. Euro gefüllten Technologie-Sondertopf zur Verteilung übrig.

Frisches Geld hat die Regierung erst wieder ab 2004 in Aussicht gestellt. Für 2003 droht damit für viele Projekte und Institutionen eine Finanzierungslücke. Schmidt: "Wir müssen uns für dieses Jahr in der Förderpolitik auf einen Crash-Kurs einstellen." (jost, DER STANDARD, Printausgabe 8.3.2002)

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