Das Schicksal (un-)freiwilliger DDR-Rückkehrer

7. März 2002, 18:20
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Die Phrase "... es findet eine Hochzeit statt" kündigte Hinrichtung von Offizieren an, die sich in den Westen abgesetzt hatten

Dresden - Erstmals gewährt ein Buch umfassende Einblicke in die Verfolgung von in den Westen übergelaufenen und später in die DDR zurückgekehrten Offizieren des deutschen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Das Werk des Berliner Historikers Gerhard Sälter mit dem Titel "Interne Repression" wird vom Dresdner Hannah-Arendt-Institut herausgegeben. Nach Angaben des stellvertretenden Institutsdirektors Clemens Vollnhals dokumentiert es elf Fälle aus der Zeit von 1954 bis 1966.

Die Urteile

Sieben Mal hätten Gerichte die Todesstrafe ausgesprochen, nachdem die Betroffenen entweder freiwillig aus der Bundesrepublik in die DDR zurückgekehrt waren oder aber durch das MfS mit Gewalt zurückgebracht wurden. Die Verurteilten wurden alle in Dresden durch die Guillotine hingerichtet. In den übrigen vier Fällen, die in dem Buch beschrieben werden, verhängte die DDR-Justiz lange Freiheitsstrafen. Die Verurteilten seien ins Gefängnis nach Bautzen gekommen.

Diese Haftanstalt unterstand offiziell der Kontrolle des Innenministeriums in Ost-Berlin, de facto befanden sich die Häftlinge jedoch unter Aufsicht des MfS. Sälter wies darauf hin, dass während des Bestehens der DDR rund 498 MfS-Angehörige in den Westen übergelaufen seien. Rund 106 Personen seien wieder nach Ostdeutschland zurückgekommen, oft durch Entführung.

"... es findet eine Hochzeit statt"

In den eigenen Reihen sorgte das MfS dafür, dass die Todesurteile zur Abschreckung publik gemacht wurden, nach außen wurden die Verfahren vertuscht. Das Buch beschreibt einen Fall, in dem der Staatsanwaltschaft in Dresden eine Hinrichtung mit dem Worten: "... es findet eine Hochzeit statt" angekündigt hatte. Die an der Exekution teilnehmenden Beamten wurden Standesbeamte genannt. Der Hinrichtungsort selbst hatte die Bezeichnung "Feierstätte". Als Todesursache wurde in der Regel "Herzinfakt" vermerkt. Die letzte bekannte Hinrichtung eines MfS-Offiziers war im Jahr 1981. Es handelte sich um Werner Teske, der in die Bundesrepublik überlaufen wollte.(APA/AP)

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