ÖsterreicherInnen in der Tourismus-Analyse

8. März 2002, 09:36
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Urlaubsreisen haben geringeren Stellenwert als Autos - Wandel vom Wohlstands- zum Wohlfühltourismus

Wien - "Mehr verwöhnen als erleben", das sei "die positive Antwort der Verbraucher in unsicheren Zeiten", so Peter Zellmann vom Ludwig Boltzmann Institut bei der Präsentation der 7. Tourismusanalyse.

Die Reisebranche ist auf Grund der sinkenden Ausgabebereitschaft in den privaten Haushalten einem verstärkten Verdrängungswettbewerb ausgesetzt.

Hoher Stellenwert fürs eigene Auto

In den sechziger bis neunziger Jahren hat der Grundsatz gegolten, "Am Urlaub wird zu allerletzt gespart". Heute genießt etwa das Auto einen höheren Stellenwert (39 Prozent) als die Urlaubsreise (37 Prozent), wie sich bei der Untersuchung des Konsumverhaltens ergeben habe. Das Auto habe mehr "Wohlfühl-Bedeutung" als bisher angenommen, erklärte dazu Horst Opaschowski vom Hamburger B.A.T.- Freizeitforschungsinstitut. Es werde als Stück Wohnung und Geborgenheit angesehen.

Im Zeitvergleich der Jahre 1996 und 2002 ist laut Opaschowski sowohl in Österreich wie auch in Deutschland feststellbar, die Bedeutung von Urlaubsreisen zu Gunsten von Essen & Trinken, Wohnen und Auto leicht zurückgeht.

Laut Umfrage würden derzeit 45 Prozent Ausgabenbeschränkungen bei Essen und Trinken am Schwersten fallen, im Vergleich zu 40 Prozent 1996. Beim Wohnen stieg der Prozentsatz von 28 auf 33 Prozent, beim Statussymbol Auto sogar von 27 auf 39 Prozent, so die Studie.

Wellness im Vordergrund

Ein weiterer Trend, der festgestellt wurde, sei das Inszenieren von Zufriedenheit und Wohlbefinden, so Zellmann. "Wellness heißt das Gebot der Stunde und die Erfolgsformel für Urlaubsanbieter", erklärte Opaschowski. Der Wunsch nach lauten Events und schnellen Abenteuern halte sich derzeit in Grenzen. "Es zeichnet sich ein Wandel vom Wohlstands- zum Wohlfühltourismus ab". Der Erlebnisphase folge nun eine Zeit der Besinnung.

Die Tourismusforscher empfehlen den Tourismusverantwortlichen, wieder "Lust auf Urlaub" zu machen. Das bedeute "eine spürbare Erhöhung der Werbeetats" und "Qualitätsoffensive statt Krisengejammer".

Tourismusbranche zurück zu den Wurzeln

"Die Tourismusbranche sollte sich wieder ihrer Wurzeln besinnen", meinte Zellmann. Es gebe eine tief verankerte Tradition, die laute: "Den positiven Schein wahren", so Zellmann. "Wer Träume verkaufen will, muss schließlich selbst von goldenen Zeiten träumen können".

Mit den angekündigten Stornierungen auf der ITB nehmen die Reiseveranstalter dem Imageschaden bewusst in Kauf, kritisierte Opaschowski. In kritischen Zeiten sollte man nicht durch Sparprogramme auf sich aufmerksam machen. Die Verbraucher würden entsprechend reagieren: "Sie haben bald mehr Angst vor steigenden Reisekosten als vor weiteren Flugreisen".

Für die kommende Reise-Saison seien keine dramatischen Veränderungen zu erwarten. "Es darf mit verhaltenem Optimismus an weiteren Programmverbesserungen gearbeitet werden", legt Zellmann der Branche nahe. (APA/red)

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