Verbal-Attacken nach Cupschlager

8. März 2002, 17:14
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Schalke-Spieler Andreas Möller: "Die Bayern sollten lieber vor der eigenen Haustür kehren"

Gelsenkirchen - Glückliche Sieger, schlechte Verlierer: Während die Spieler von Cup-Verteidiger FC Schalke 04 gemeinsam mit ihren Fans den abermaligen Einzug ins DFB-Pokal-Finale feierten, suchten die frustrierten Profis des FC Bayern München fluchtartig das Weite. 39 Tage nach dem bitteren 1:5 in der Bundesliga nagte die verpasste Revanche beim 0:2 nach Verlängerung im emotionsgeladenen Halbfinale "AufSchalke" offenbar an der angeknacksten Bayern-Seele.

Hätte, wäre, wenn...

Es entzündete sich ein verbaler Streit zwischen Rekordmeister und Vizemeister wegen der Roten Karte für Samuel Kuffour, der in der 90. Minute von Schiedsrichter Herbert Fandel wegen groben Foulspiels an Jörg Böhme vom Platz geschickt wurde. "Wenn wir mit elf Spielern zu Ende gespielt hätten, wären wir als Sieger vom Platz gegangen", sagte Manager Uli Hoeneß, der direkt nach der Partie wie fast alle Bayern zu keiner Aussage bereit war, am Donnerstag in München. Und auch für den Vorstandsvorsitzenden Karl- Heinz Rummenigge war der Platzverweis "spielentscheidend", weil Marco van Hoogdalem (100.) und Böhme (115.) erst danach den Schalker Sieg herausschossen.

"Unkollegial Rot zu fordern"

Rummenigge wetterte zudem über die "idiotische Regel", dass Rote Karten im Pokal auch für die Meisterschaft gelten. "Das sind doch zwei verschiedene Wettbewerbe", meinte Rummenigge, der wie Torhüter Oliver Kahn den Schalker Andreas Möller als Mit-Schuldigen ausmachte. "Der Schiedsrichter hat gut gepfiffen bis zu dieser Szene. Dann hat er sich provozieren lassen, ausgerechnet von einem Spieler wie Andreas Möller. Es ist nicht okay, wenn ein Spieler einer anderen Mannschaft Rot fordert. Das ist unkollegial", so Rummenigge.

Möller schimpfte, Assauer kritisierte

Der Konter kam prompt. "Die sollten lieber vor der eigenen Haustür kehren", wies Möller die Unterstellung zurück. "Ich habe keine Karte gefordert. Und was Kahn angeht, sollte er aufpassen, was er sagt. Ich glaube, ihm ist der Erfolg zu Kopf gestiegen", schimpfte Möller. Und Manager Rudi Assauer kritisierte Kuffour vor allem für dessen anschließenden (eher harmlosen) Kopfstoß: "Das macht man einfach nicht."

Hitzfeld blickt nach vorne

Gemäßigt reagierte dagegen Trainer Ottmar Hitzfeld, der seinem nicht zum ersten Mal übereifrigen Abwehrspieler einen Vorwurf nicht ersparen konnte. "Ich konnte es zwar nicht genau sehen, aber es war ein dummes Foul und ein taktischer Fehler", kommentierte Hitzfeld Kuffours überflüssige Attacke nahe der Mittellinie. Darüber hinaus fand Hitzfeld "gar keine Zeit", sich lange mit dem Spiel zu beschäftigen. Die Konzentration müsse nun dem Titelrennen gelten. "Wir müssen das schnell abhaken, denn am Samstag haben wir mit dem Derby gegen 1860 München schon das nächste schwere Spiel", sagte der Coach.

Erster Pokalsieg für Schalke

Unterdessen freuten sich die "Königsblauen" über den ersten Pokalsieg der Club-Geschichte (im sechsten Spiel) gegen die Bayern, die Aussicht auf ein spannendes Finale gegen Bayer Leverkusen am 11. Mai in Berlin und die (fast) sichere Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb. Selbst im Fall einer Endspiel-Niederlage dürfte Schalke im UEFA-Cup starten, falls Spitzenreiter Leverkusen in der Meisterschaft mindestens Platz drei und somit die Champions- League-Qualifikation erreicht. (APA)

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