Thrombose-Risiko auch im Bus

10. März 2002, 20:00
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Überlandfahrt und Langstreckenflug ähneln einander - Tiroler Studie stellte nach Rom-Reise "zäheren Blutfluss" fest

Innsbruck - Das Thromboserisiko bei langen Busreisen sei ähnlich hoch wie bei Langstreckenflügen, haben Innsbrucker Wissenschafter im Rahmen einer "Bus-Studie" festgestellt. Alle Teilnehmer wiesen nach einer neunstündigen Busfahrt einen "zäheren Blutfluss" auf. Dadurch könne die Gefahr der Entstehung von Beinvenenthrombosen unter Einfluss bestimmter Risikofaktoren steigen, teilte Wolfgang Schobersberger von der Klinischen Abteilung für Allgemeine und Chirurgische Intensivmedizin an der Uni-Klinik Innsbruck bei einer Pressekonferenz mit.

Reise nach Rom

Während einer zweitägigen Busfahrt im vergangenen November wurden 20 Teilnehmer, die "kein wesentliches Thromboserisiko" hatten, während und nach der Busfahrt nach Rom auf gesundheitliche Auswirkungen nach stundenlangem Sitzen untersucht. Dabei sei festgestellt worden, dass bei keinem Reisenden eine Thrombose (Blutgerinnsel) aufgetreten sei, betonte Schobersberger. Das bei allen Teilnehmern aktivierte Gerinnungssystem führe zwar "nicht zwingend" zur Bildung eines Blutgerinnsels, könne aber bei starkem Übergewicht, chronischem Venenleiden oder zusätzlichen chronischen Leiden eine Thrombose unterstützen.

Untersuchungen des Teams um Schobersberger über das so genannte Economy Class Syndrom (Gesundheitsprobleme bei Langstreckenflügen) hatten bereits im Juni des Vorjahres eine Aktivierung des Gerinnungssystems gezeigt. Die Ödembildung (Flüssigkeitseinlagerung) sei bei den Busreisenden allerdings geringer als beim "Projekt Langstreckenflug" ausgeprägt gewesen.

Bewegung!

Zur Vorbeugung gegen Reisethrombosen werde Reisenden vor allem empfohlen, die Beine so viel wie möglich zu bewegen und mindestens ein Viertel Wasser alle zwei Stunden zu trinken. Menschen mit "mittlerem Risiko" (etwa übergewichtige und kranke Menschen, Schwangere und Personen über 60 Jahren) sollten während einer Reise Kompressionsstrümpfe tragen, sagte der Wiener Univ.-Prof. Hugo Partsch für Dermatologie und Phlebologie. Darüber hinaus werde Personen mit "hohem Risiko", die bereits einmal eine Embolie oder Thrombose hatten oder an einer schweren Erkrankung leiden, unmittelbar vor Reiseantritt zur Verabreichung einer gerinnungshemmenden Injektion (niedermolekulares Heparin) geraten.

Bisher seien solche Untersuchungen meist nur anhand "simulierter" Reisen durchgeführt worden, vergleichbare Daten für Auswirkungen langer Busreisen gebe es daher vorerst nicht, teilte Partsch mit. Die Studie habe gezeigt, dass nicht nur lange Flüge, sondern auch Bus- und Autofahrten unter gewissen Umständen gefährlich sein können. Eine Reisethrombose sei eine "Sonderform der Sitzthrombose", wobei ein Blutgerinnsel in den Lungenkreislauf gelangen und eine tödliche Lungenembolie auslösen könne. (APA)

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