EZB dreht nicht an Zinsschraube

7. März 2002, 17:16
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Duisenberg: Anzeichen für Konjunkturerholung

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nach Angaben von EZB-Präsident Wim Duisenberg die Preisstabilität beim gegenwärtigen Leitzinsniveau nicht gefährdet. Viele Faktoren ließen eine Konjunkturerholung in der Eurozone erwarten, sagte Duisenberg am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Es mehrten sich die Anzeichen für eine Erholung der Weltkonjunktur, die zu mehr Nachfrage in der Eurozone führen werde.

Leitzinsen unverändert

Die EZB hatte die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins beträgt weiterhin 3,25 Prozent. Duisenberg begründete den Beschluss anhand der beiden Säulen der geldpolitischen Strategie der EZB und bezeichnete die gesunden fundamentalen Daten im Euroraum als gute Basis für einen Konjunkturaufschwung. Vor diesem Hintergrund erwartet der EZB-Chef, dass das Wirtschaftswachstum im Euroraum Ende des Jahres den Potenzialpfad von 2 bis 2,5 Prozent erreichen wird.

Eine große Mehrheit von Analysten hatte mit unveränderten Leitzinsen gerechnet, weil sich in den vergangenen Wochen die Hinweise auf einen baldigen Wirtschaftsaufschwung gemehrt hatten. Viele von ihnen rechnen deshalb mit keiner weiteren Zinssenkung mehr und halten eine Anhebung der Leitzinsen gegen Jahresende für möglich, wenn die Konjunktur wie bisher angenommen an Fahrt gewinnen und die Inflationsrisiken wieder wachsen sollten.

Mehrjähriger Konjunkturaufschwung

Die EZB rechnet mit einem mehrjährigen Konjunkturaufschwung. Bereits Ende 2002 könnte wieder eine Wachstumsrate von bis zu 2,5 Prozent in der Währungsunion erzielt werden, sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg am Dienstag nach der Sitzung des Zentralbankrates in Frankfurt.

Nach dem Tiefpunkt zum Jahresende 2001 dürfte sich nun die wirtschaftliche Expansion bis 2004 fortsetzen, prognostizierte Duisenberg. Neben niedrigen Zinsen dürfte dazu die gestiegene Kaufkraft als Folge der rückläufigen Verbraucherpreise beitragen. Darüber hinaus zeichne sich auch außerhalb des Euroraumes eine stärkere Nachfrage nach europäischen Gütern und Dienstleistungen ab.

Keine Gefahr für Preisstabilität

Dennoch bestehe derzeit keine Gefahr für die Preisstabilität in der Eurozone. Bereits in den kommenden Monaten werde der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise wieder unter die Marke von 2 Prozent fallen. Der günstige Trend bei den industriellen Erzeugerpreisen unterstütze diese Prognose, betonte der EZB-Chef.

Duisenberg deutete an, dass die Zentralbank das derzeitige Zinsniveau auf absehbare Zeit beibehalten werde. Die bevorstehenden Lohnabschlüsse in Europa dürften die Stabilitätspolitik der EZB jedoch nicht gefährden. (APA)

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