Schwere Angriffe auf Taliban-Stellungen gehen weiter

7. März 2002, 13:51
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USA verlegen weitere Soldaten in die Provinz Paktia - König kritisiert Angriffe

Gardes - Die US-Luftwaffe hat am Donnerstag nach eigenen Angaben erneut Stellungen moslemischer Extremisten in Ostafghanistan angegriffen. Die Angriffe wurden mit B-52-Bombern, F-16-Kampfflugzeugen und Hubschraubern geflogen, nachdem am Mittwoch die Luftangriffe vorübergehend reduziert worden waren. Die US-Streitkräfte haben rund 300 zusätzliche Soldaten sowie 17 weitere Kampfhubschrauber und mehrere Maschinen vom Typ A-10 in die Region in der Provinz Paktia verlegt.

Ex-König fordert Ende der Militäraktionen

Der afghanische Ex-König Mohammed Zahir Schah hat unterdessen den Krieg gegen den Terrorismus in Afghanistan als "dumm und unnötig" bezeichnet. "Der Terrorismus und El Kaida sind ausländische, nicht afghanische Phänomene", sagte der 87-Jährige der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Donnerstagausgabe). Ohne die USA ausdrücklich zu nennen, forderte er ein sofortiges Ende der Militäraktionen. "Mein Volk hat immer für Freiheit und Demokratie gekämpft", sagte der seit seinem Sturz im Jahr 1973 im römischen Exil lebende Ex-Monarch. Auf seine in Kürze erwarteten Rückkehr nach Afghanistan freue er sich sehr.

Taliban- und El Kaida-Kämpfer leisten erbitterten Widerstand

In Paktia waren bisher etwa 800 US-Soldaten eingesetzt. Taliban- und El Kaida leisten offenbar weiter erbitterten Widerstand. In Stellungen der Kämpfer sind nach US-Angaben Munition, Nachtsichtgeräte, Medikamente sowie Dokumente gefunden worden, darunter auch ein saudiarabischer Ausweis. Bei den Boden- und Luftangriffen im Zuge der "Operation Anaconda" in Ostafghanistan wurden nach Angaben eines US-Militärsprechers am Mittwoch etwa hundert mutmaßliche El-Kaida-Kämpfer getötet. Der Sprecher sagte auf dem Luftwaffenstützpunkt von Bagram nördlich von Kabul, zusätzliche El-Kaida-Kämpfer seien in die Kampfregion eingesickert. Ihre Zahl könne mittlerweile über 1000 liegen. Der Chef der "Operation Anaconda", US-General Frank Hagenbeck, hatte am Mittwoch von 600 bis 700 Kämpfern gesprochen, von denen die Hälfte getötet worden sei. Afghanische Kommandanten sagten, die Frontlinie in zum Teil 3000 Meter hohen Bergen verlaufe in der Nähe des Dorfes Shahi Kot auf zehn Kilometer Länge.

Die afghanische Übergangsregierung hat nach Angaben eines örtlichen Kommandanten einheimische Verstärkung für die Offensive in der östlichen Provinz Paktia angefordert. Wie Mohammed Isak, Hauptkommandeur in Paktias Hauptstadt Gardes am Donnerstag mitteilte, richtet sich die Aufforderung an den usbekischstämmigen Kriegsherren Abdul Rashid Dostum, dem Hasara-Chef Mohammed Karim Khalili und andere Truppenführer.

Annan fordert Verstärkung der internationalen Schutztruppe

UNO-Generalsekretär Kofi Annan fordert die Verstärkung der internationalen Schutztruppe (ISAF) in Afghanistan. Das Land drohte wieder ins Chaos abzugleiten. Die internationale Gemeinschaft dürfe sich nicht von Afghanistan abwenden, wie sie es 1979 nach dem Rückzug der sowjetischen Armee getan habe, warnte Annan am Mittwochabend in New York. UN-Diplomaten sahen in Annans Äußerungen einen weiteren Hinweis darauf, dass die Erweiterung des Mandats für die internationale Schutztruppe, an der auch Österreich beteiligt ist, vorbereitet wird.

Die USA haben eine Belohnung von bis zu 25 Millionen Dollar (28,8 Mill. Euro) für Informationen zum Aufenthaltsort von Osama Bin Laden ausgesetzt. Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September ist spurlos verschwunden. Der afghanische Geheimdienst hat, wie schon gestern bekannt geworden war auf die Ergreifung von ausländischen El-Kaida-Kämpfern in der östlichen Provinz Paktia ein Kopfgeld von rund 4000 Dollar (4.607 Euro) ausgesetzt.(APA/dpa/AP)

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