Erinnerungen eines Partisanen

10. März 2002, 09:00
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Ein Kärntner Slowene erinnert sich: Vom Fronteinsatz in Süditalien bis zu den letzten Monaten im Bunker

Wien - "Lipej komm! Der Krieg ist aus, die Freiheit ist da, wir sind frei!" Lipej Kolenik wird diese Nachricht vom Sieg über den Nationalsozialismus bis zu seinem Tode wohl am Deutlichsten in Erinnerung bleiben. Kolenik, aus der Wehrmacht zu den Partisanen in Südkärnten desertiert, hatte die letzten zwei Kriegsmonate schwer verletzt in dunklen Bunkern verbracht. Die Nachricht von der Befreiung ereilte ihn auf einer Waldlichtung, wohin er sich geschleppt hatte, um die Frühlingssonne zu genießen. Es ist der hellste Moment im Leben des Kärntner Slowenen geblieben. Koleniks Autobiographie "Für das Leben, gegen den Tod" wurde Donnerstagabend in Wien vorgestellt.

Und es ist diese Szene, die den Lebenslauf Koleniks in zwei Hälften teilt. Die Armut der Vorkriegszeit in den ländlichen Gebieten Südkärntens, die Schmach und die seelische Not, widerwillig in der Armee des nationalsozialistischen Feindes kämpfen zu müssen, schließlich die Entbehrungen des Partisanenkrieges in den Karawanken, das alles scheint am 8. Mai 1945 ein Ende zu haben. Doch der ersehnte Anschluss an Jugoslawien bleibt aus, die Anerkennung des Partisanenkampfes - zumal in Kärnten - schwindet rasant, die antislowenischen Kräfte restaurieren sich und die politische Ächtung und Diskriminierung der Slowenen beginnt nach ihrer Verfolgung im Nationalsozialismus von Neuem.

Ohne Pathos

Über all das legt Lipej Kolenik Zeugnis ab: Er beschreibt sehr persönliche Erinnerungen - etwa über die kleinen Freuden eines Bauernkindes zu den hohen Festtagen, aber auch das soziale und politische Geschehen. Die Abneigung gegen die Nazis wird in seiner Schilderung über den Fronteinsatz in Süditalien spürbar. Seine Versuche der Wehrmacht zu entrinnen, sind vom Wunsch beseelt, dem sicheren Tod an der Front von der Schaufel zu springen.

Dem Partisanenkampf in den Wäldern der Karawanken nimmt er den romantisch-verklärenden Zug, der ihm später in so mancher antifaschistischen Literatur hinzugedichtet wurde. Ungeschönt beschreibt er seine Ängste und Alpträume und so manche Enttäuschung über die Hierarchien in der "Armee des Volkes". Er legt seine politischen Einstellungen offen und verhehlt nicht seine Enttäuschung über die Entwicklung der Nachkriegsjahre, als die Kärntner Slowenen einmal mehr zum Spielball der Weltpolitik wurden. Kolenik wird so auch zu einem interessanten Chronisten einer bisher eher unbeleuchtet gebliebenen Phase der Kärntner Geschichte. (APA)

Lipej Kolenik: Für das Leben, gegen den Tod. Mein Weg in den Widerstand

Aus dem Slowenischen übersetzt von Erwin Köstler, mit einem Vorwort von Janko Messner, Drava Verlag, 256 Seiten
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