"Pionierinnen in Wien" vorgestellt

11. Februar 2003, 12:44
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Das Wiener Frauenbüro betreibt mit ihrer neuen Publikation Spurensuche

Anlässlich des Internationalen Frauentags präsentierte die Frauenstadträtin Renate Brauner die neueste Publikation aus der Reihe „Frauen sichtbar machen“. Im Band „Pionierinnen in Wien“ porträtieren Lisa Fischer und Lisl Ponger fünf frauenspezifische Fraueneinrichtungen und neunzehn „Pionierinnen“ in Text und Bild.

„Von den porträtierten Frauen war zwar keine "die erste Frau am Mond", aber einige von ihnen mussten beträchtliche Hindernisse überwinden, um dort hinzukommen, wo vor ihnen noch nie eine Frau gewesen ist“, zeigt sich Frauenstadträtin Renate Brauner beeindruckt von der Hartnäckigkeit so mancher Pionierin.

Försterin, Trabrennfahrerin, HTL-Direktorin

In dem Band werden etwa die erste Försterin, die erste Trabrennfahrerin und die erste HTL Direktorin beschrieben. Aber auch einer größeren Öffentlichkeit bekannte Frauen finden sich unter den Pionierinnen: Johanna Dohnal, Volkstheater-Direktorin Emmy Werner, die ehemalige ORF-Programmintendantin Kathrin Zechner, die Vorsitzende der Richtervereinigung Barbara Helige und die Direktorin des Technischen Museums Gabriele Zuna-Kratky.

Die aufschlussreiche Einleitung von Siegrun Herzog gibt einen kurzen Abriss über die verschiedenen – ideologisch und historisch geprägten – Berufswahltheorien. Gründe dafür, warum Mädchen „Frauenberufe“ wählen, sind etwa, dass sie eine spätere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für zwingend halten oder dass Mädchen aufgrund ihrer Sozialisation übermäßig von der Bewertung und Bestätigung durch ihr gesellschaftliches Umfeld abhängig sind.

Auch unter diesem Aspekt ist der Lebensweg, der im Buch beschriebenen Frauen beachtlich, setzten sie sich doch aufgrund ihrer "unkonventionellen" Berufs- und Karriereverläufe oftmals auch Anfeindungen aus ihrer direkten Umgebung aus. So gab etwa Vera Lindenberg, Mitglied der ersten Frauenexpedition auf den Shisha Pangma, zu Protokoll, ihre Verwandtschaft halte sie "im Allgemeinen für verrückt".

Frauen wären jedoch schon aus praktisch-ökonomischen Gründen gut beraten, "Pionierinnen" zu werden. Denn "typische Frauenberufe" haben für Frauen zahlreiche Nachteile: eine niedrigere Einkommensstruktur, geringere Aufstiegschancen, eine höhere Arbeitsplatzunsicherheit und niedrigere formale Qualifikationsanforderungen. "Damit Mädchen und Frauen faire Chancen in Ausbildung und Berufsleben haben, müssen sie vor allem lernen, sich etwas zuzutrauen und sich auf ihre eigenen Stärken zu verlassen. Dabei unterstützen wir sie so früh wie möglich, denn an den Universitäten ist es dafür bereits zu spät", so Brauner.

Dennoch zeigten die Lebensgeschichten der Pionierinnen, wie mühselig und langwierig es sein könne, sich einen Platz in einer Männerdomäne zu erobern. "Chancengleichheit muss aber eine Frage der fairen Rahmenbedingungen und nicht ein individueller und einsamer Kampf um etwas sein, das frau ohnedies zusteht."

Pionierinnen sind wichtige Vorbilder für Mädchen und junge Frauen. Sie führen die gängigen Klischees von Männer – und Frauenberufen ad absurdum, verändern das Bild der Frau in der Gesellschaft und zeigen Perspektiven in neuen und nichttraditionellen Mädchen- und Frauenberufen auf.

Die fünf Gruppenporträts beschreiben:

  • Donna & Blitz; erster weiblicher Elektrikerinnenbetrieb seit 1994.
  • Frauenberatung; erste Beratungstelle „von Frauen für Frauen“ seit 21 Jahren.
  • Feministisches Grundstudium
  • Sun Work; Bildungsalternativen für Mädchen und Frauen in Ökotechnik seit 1991
  • ceiberweiber; erstes Frauen Online Magazin

    Die Pionierinnen sind u.a.: Barbara Helige, erste Präsidentin der Richtervereinigung, Petra Klimek, erste Wiener Försterin, Carmen Lechner, erste HTL Direktorin, Vera Lindenberg, Teilnehmerin an der ersten Frauenexpedition Shisa Pangma, Michaela Lindorfer, eine der ersten Schwachstromtechnikerin, Katharina Neumayer, Gewerkschaftspionierin, Marie Pimmingstorfer, eine der ersten professionellen Trabrennfahrerinnen, Elisabeth Rohrhofer, einzige Schwertransportunternehmerin Österreichs, Maria Safer, erste Abteilungsleiterin der Lebensmitteluntersuchungsanstalt der Stadt Wien (MA38), Daniela Weinbacher, erste Flugkapitänin Österreichs sowie Emmy Werner, Kathrin Zechner und Johanna Dohnal.

    (red)

  • "Pionierinnen in Wien"
    Eine Publikation des Wiener Frauenbüros mit Fotos von Lisl Ponger und Texten von Lisa Fischer

    zu bestellen per:

    fon: 01/4000-83518 e-Mail
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