Umweltschützer fordern Umsetzung der Alpenkonvention

7. März 2002, 13:18
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Wien - Der Umweltdachverband, Alpenverein und Naturfreunde urgieren die Umsetzung der Alpenkonvention. Nach zehn Jahren Diskussion sei es endlich an der Zeit, das völkerrechtlich verbindliche Vertragswerk umzusetzen und die neun Durchführungsprotokolle - sie betreffen Themen wie Naturschutz, Tourismus, Raumplanung und Verkehr - unverzüglich zu beschließen. Das sagte Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raumplanung/Naturschutz im Alpenverein, bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die Umsetzung habe nach einem zwischen Bund und Ländern akkordierten Zeitplan zu erfolgen, um budgetär vorsorgen zu können, "damit das Papier nicht Makulatur bleibt", erklärte Haßlacher. Bis heute gebe es zum Schutz der Alpen, die zwei Drittel des österreichischen Staatsgebiets ausmachen und Lebensraum von 40 Prozent der Bevölkerung sind, nur diffuse Forderungen anstelle konkreter Vorsorgeplanungen, bemängelte der Fachmann.

Bedrohung

Der Umweltdachverband sieht das alpine Ökosystem massiv bedroht - durch Übererschließung, touristisches Wettrüsten, einen Ausverkauf der Trinkwasser-Ressourcen sowie den Rückgang der naturnahen Land- und Waldwirtschaft und hat deshalb einen Masterplan mit entsprechenden Forderungen an Bund und Länder ausgearbeitet. "Der Umweltdachverband will das von den Vereinten Nationen ausgerufene 'Internationale Jahr der Berge und des Ökotourismus' nützen, um heiße Eisen anzugreifen", erklärte deren Präsident Gerhard Heilingbrunner.

"Heiße Eisen" gibt es in ausreichender Anzahl: So der Transitverkehr in Alpentälern, den "die Bevölkerung nicht mehr erträgt", wie Haßlacher erklärte. "Wir wollen Fortschritte erleben und keine Rückschläge. Ein Herausstreichen der Plafondierung aus der Öko-Punkte-Regelung würde eine dritte und vierte Spur auf der Inntal-Autobahn bedeuten", warnte der Experte, der auch wieder die "Alemagna", eine durch das Zillertal führende geplante Autobahn-Verbindung von Italien nach Deutschland, als Gespenst herumgeistern sieht.

Erschließung

Eine möglichst international einheitliche Regelung fordern die Umweltschützer auch für die weitere touristische Erschließung der Alpen. "Österreich wird sich entscheiden müssen, entweder weiter die Spirale der massentouristischen Entwicklung zu fördern oder die Entwicklungschance für einen sozialverträglichen Tourismus zu ergreifen", sagte Naturfreunde-Geschäftsführer Reinhard Dayer und erhob in diesem Zusammenhang die Forderung nach einer "Landschaftsverbrauchsabgabe", in deren Rahmen touristisch hoch entwickelte Regionen Geld in einen Fonds einzahlen sollen, der jenen zugute kommt, die sich zum Beispiel als Bergbauern um die Erhaltung des alpinen Kulturraums kümmern und um ihre Existenz kämpfen. Erstrebenswert sei eine Regelung auf Bundesebene, der Beginn solle auf regionaler Basis gesetzt werden, da man die Akzeptanz der Betroffenen dafür brauche.

Wie massiv die Belastung des Ökosystems durch den Tourismus ist, schilderten die Naturschützer anhand des aktuellen Beispiels der Trockenheit in Kärnten. Dort habe es seit drei Monaten kaum Niederschläge gegeben. Diese Situation habe im Verein mit den Beschneiungsanlagen für Pisten zu einer Trinkwasserknappheit geführt, die fast schon vergleichbar mit jener in südeuropäischen Regionen sei. (APA)

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