Käse kann Berge (v)ersetzen

8. März 2002, 17:18
posten

Noch bis Freitag werden "Beim Novak" original Vorarlberger Kässpätzle gekocht

Der Vorarlberger, meint die Dame von der xibergischen Pressestelle, wächst ja sozusagen mit Kässpätzle auf. Das sei, so Ulrike Kinz, nicht nur beinahe so wie mit den Bergen, sondern noch viel schlimmer. Drum, so die alemannische PR-Dame weiter, könne einer wie der Brund Ratz dann im Flachland gar nicht anders: Er muss Kässpätzle kochen. Sogar wenn er im Urlaub ist. Eigentlich erst recht dann: Schließlich fehlen da ja die Berge.

Und schließlich gibt es überall auf der Welt, also auch in Wien, Angehörige des Volkes von vor/hinter dem Arlberg. Und die sind ständig von Heimweh geplagt (weil: keine Berge, keine Kässpätzle). Drum bleibt einem wie dem Wirten des Gasthaus Egender in Schönebach - eben dem 40-jährigen Bruno Ratz - gar nichts anderes übrig, als sich im Urlaub in Wien hinter die Kochtöpfe zu stellen - und die Auswanderer und Freunde von „Kanton Übrig“ (Vorsicht: Manche Vorarlberger reagieren auf diesen Namen allergisch) heimatlich und vorzüglich zu bekochen.

Dass Ratz sich für das - bis inklusive Freitag dauernde - dritte Kässpätzlegastspiel in Wien ausgerechnet ein klassisches Wiener Restaurant („Beim Novak“; 7. Richtergasse) ausgesucht hat, stört weder ihn, noch den „Club der Vorarlberger“, noch sonst irgendwen. Schlißelich „bringe ich die Käsemischung ja mit. Ich kaufe den Käse ganz jung und weiß daher immer, wie weit er ist. Mit einem anderen Käse könnte ich gar nicht kochen.“ Der Rest des Kässpätzlerezeptes, betont Ratz, sei aber so etwas wie ein Nationalgeheimnis. Obwohl, meint Ulrike Kinz, es ja ungefähr so viele Kässpätzlerezepte gibt, wie Vorarlberger auf diesem Planeten herumwandern.

PS: Weil Kässpätzle allein das Fehlen von Bergen aber doch nicht gänzlich ersetzen kann, pflegen Vorarlberger auch im Flachland alpine Bräuche: So wird Samstagabend am nicht ganz hochalpinen (knappe 400 Meter über dem Meer) Kobenzl (Himmelwiese) eine echt vorarlbergische „Funken“-Verbrennung gefeiert. Das hat etwas mit Wintervertreiben zu tun - und ist eine ganz andere Geschichte. (rott; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.3.2002)

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken
Share if you care.