Forschung erhält weniger Geld

7. März 2002, 19:57
6 Postings

Erstmals seit 13 Jahren Rückgang bei Förderung für wissenschaftliche Forschung - Scharfe Kritik am Regierungskurs

Wien - Erstmals seit 13 Jahren ist das Budget des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gesunken. Standen 2001 noch 93,9 Mill. Euro - vor allem für Grundlagenforschungsprojekte an den Universitäten - zur Verfügung, werden es im laufenden Jahr voraussichtlich 90,1 Mill. Euro (1,240 Mrd. S) sein. "Das ist ein Rückgang um vier Prozent", zeigte FWF-Präsident Arnold Schmidt am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz des Fonds seine "herbe Enttäuschung" über diese Entwicklung.

Dieses Budget bedeute keine aktuelle Gefährdung des FWF. Man könne aber nicht Programme ausbauen und international anschließen, was beides dringend notwendig wäre, meinte Schmidt. "Und es ist das falsche Signal, dass bei der Grundlagenforschung gespart wird", so der FWF-Präsident. Außerdem werde seit Jahren beklagt, dass die österreichischen Universitäten zu wenig Drittmittel im Bereich der Grundlagenforschung einwerben würden. Jetzt reduziere man aber mit dem FWF-Budget die wichtigste Quelle dafür.

Grund

Grund für den Budgetrückgang ist einerseits die dreiprozentige Bindung auf die Ermessensausgaben aller Ressorts, die auch auf das FWF-Budget durchschlägt und heuer den Bundesanteil auf 45,1 Mill. Euro (2001: 46,4 Mill. Euro) senkt. Im Vorjahr habe es zwar auch diese Bindung gegeben, die Technologiesektion im Infrastrukturministerium habe aber durch Umschichtungen erreicht, dass der FWF davon nicht betroffen war, erklärte Schmidt. Voraussichtlich wird auch der Beitrag der Oesterreichischen Nationalbank zum FWF-Budget von 27,9 Mill. Euro im Vorjahr auf 25,4 Mill. Euro sinken. Und der Forschungsrat hat für den FWF nicht die beantragten 26,9 Mill. Euro, sondern nur 19,6 Mill. Euro aus den Forschungssondermitteln der Bundesregierung empfohlen. Das ist gleich viel wie 2001.

Kritik an der Regierung

Angesichts dieser Entwicklung spricht Schmidt im Zusammenhang mit der Absicht der Bundesregierung, die Forschungsquote von derzeit 1,8 auf 2,5 Prozent zu heben, von einem "Ziel, das nach menschlichem Ermessen nicht erreichbar ist". Man könne nicht von Enquete zu Enquete das hohe Ziel 2,5 Prozent anpreisen und dann aber anders handeln, so Schmidt.

Fremdenpaket

Kritik übte der FWF-Präsident auch am geplanten Fremdenpaket. An den Unis müsste die "Manpower" verbessert werden, es sei notwendig, junge Leute aus dem Ausland als Postdocs nach Österreich zu holen. "Wie groß ist die Leidenschaft eines jungen Postdocs aus Singapur, der in Österreich Molekularbiologie betreiben will und Englisch spricht, einen Deutschkurs zu besuchen?", zweifelt Schmidt an den geplanten Regelungen und fordert Ausnahmen für Wissenschafter und ihre Familien. (APA)

Share if you care.