Ungarn schlägt Burgenland

7. März 2002, 19:29
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Grenzlandstudie über Technologieausstattung in Unternehmen

Wien - Verschwindend klein sind die Unterschiede zwischen den Regionen Wiener Neustädter Raum, Burgenland sowie grenznahe Teile Westungarns in Bezug auf die Ausstattung der Betriebe mit Informations- und Kommunikationstechnologie. Und nicht nur das: "Bei Auswertung der Ergebnisse bekamen wir immer mehr das Gefühl: Österreichische Betriebe sind die saturierteren; ungarische haben mehr Biss, und sie setzen Technologien innovativer ein", sagt Johann Günther, Leiter der Abteilung für Telekommunikation, Information und Medien an der Donau-Universität Krems.

An über 3000 Firmen in Ostösterreich und Westungarn hatte die Donau-Uni einen umfangreichen Fragebogen verschickt, mit dem Angaben zur Ausstattung mit Informationstechnologien wie dem Internet ermittelt wurden. Fazit der Repräsentativstudie: Das Internet gehört für die große Mehrheit zum Alltag; im Burgenland für knapp 86 Prozent, in Wiener Neustadt 78 und in Westungarn 74. Eine eigene Homepage haben 47 Prozent der burgenländischen, 46 Prozent der Wiener Neustädter und 37 Prozent der westungarischen Betriebe.

Unterschied im Wie

Der große Unterschied liege jedoch im Wie: "Ein Wiener Neustädter Installateur preist auf seiner Homepage nur seine Produkte an. Ein ungarischer macht einen interaktiven Shop, der zum Ausprobieren einlädt", erklärt Günther. Mehr als im Burgenland bzw. im Raum Wiener Neustadt werde das Internet in westungarischen Unternehmen als Instrument der Kundenunterstützung gesehen. Auch als Rechercheinstrument wird das Web dort häufiger herangezogen als hierzulande.

Beim Einsatz von Lokalen Netzwerken (LANs), die Betriebscomputer sowie Peripheriegeräte wie Drucker untereinander verbinden, sind die Westungarn führend, ebenso beim Einsatz von Mailboxsystemen.

Konkurrenz

"Man muss sehen, dass ungarische Unternehmen nach der Ostöffnung nicht nur kostenseitig eine starke Konkurrenz darstellen", resümiert dazu Günther. Mehr als die österreichischen Befragten sehen ungarische Firmen Informationstechnologien als probates Mittel zur Erschließung neuer Märkte. Ungefähr doppelt so viele ungarische Unternehmen, nämlich knapp 70 Prozent, versprechen sich mit Informationstechnologie eine verbesserte Marktpräsenz nach der EU-Osterweiterung. Im Burgenland sind es nur 30 Prozent, im Raum Wiener Neustadt gar nur 20 Prozent.

Die Donau-Uni, die solche vergleichenden Analysen bereits in den nördlichen Grenzregionen durchgeführt hat, will nun noch eine mit Slowenien durchführen. (ruz, DER STANDARD, Printausgabe 8.3.2002)

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