Ginseng ist nicht gleich Ginseng

7. März 2002, 11:39
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Qualität ist auch für den Fachmann schwer zu erkennen

Baden/Wien - In der Chinesischen Medizin hat Ginseng seit Jahrtausenden einen Fixplatz. Heute setzen weltweit immer mehr Menschen auf die "Wunderwurzel", die fit und munter machen soll. In Österreich sind Ginseng-Produkte als mittlerweile rezeptfreie Arzneimittel und seit kurzem auch als Nahrungsergänzung ohne vorgeschrieben Wirkungsnachweis auf dem Markt. Den Konsumenten fällt die Unterscheidung schwer. Aber: "Ginseng ist nicht gleich Ginseng", betont der Wiener Pharmazeut Christian Chinna.

Die chinesische Medizin setzt auf Ginseng vor allem bei Befindungsstörungen. Die Wirkstoffe, Ginsenoide genannt, sollen Patienten helfen, "bei denen eine Schwäche, die auf Energiemangel zurückzuführen ist, vorliegt, also etwa bei Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder auch Abwehrschwäche", erläuterte die Pharmakologin und Ernährungsexpertin Claudia Krist-Dungl, Fachfrau für Traditionelle Chinesische Medizin. Löst die Frühjahrsmüdigkeit nahtlos den Winterschlaf ab, greifen daher immer mehr Menschen auch in unseren Breiten gern auf Ginseng-Produkte zurück.

Qualitätsnormen

Für Verzehrprodukte wie Nahrungsmittelergänzungen gelten allerdings andere Qualitätsnormen als für Arzneimittel. Der Hersteller muss keinen Nachweis einer produktspezifischen Wirkung erbringen. "Diese Unterscheidung kann oft vom Fachmann schwer, vom Laien praktisch nicht getroffen werden", sagte Chinna. "Die gesetzliche Grenze zur nach wie vor zulassungspflichtigen Ware ist mehr oder minder willkürlich gezogen." Man nimmt dabei Bezug auf die angegebene Tagesdosis von 100 Milligramm, ohne diese näher zu definieren. "Offen bleibt dabei, worauf sich diese Mengenangabe bezieht: Auf das Wurzelgewicht? Auf das Extrakt? In welcher Konzentration?", so der Pharmazeut.

Das nach Angaben von Chinna weltweite erste arzneiliche Ginseng, das Extrakt G115, wurde vom Schweizer Arzneimittelunternehmen Pharmaton, einer Tochter von Boehringer Ingelheim, in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich und der Universität Bonn entwickelt. Die Wirkung wurde in klinischen Studien nachgewiesen.

So wirkt "echtes" Ginseng: Es ist "ein so genanntes Adaptogen. Das heißt, der Organismus kann sich gegen physikalische (z.B. Strahlung, Wärme, Kälte), chemische (z.B. Umweltgifte) und mikrobiologische (z.B. Krankheitserreger) Einflüsse besser zur Wehr setzen", erläuterte Chinna. Das Immunsystem werde stimuliert, die Widerstandskraft des Organismus erhöht. Empfehlenswert sei die Anwendung bei Müdigkeit, Abgespanntheit und Konzentrationsstörungen. (APA)

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