Architekt Abraham wurde US-Bürger, aus Protest gegen Regierung

7. März 2002, 16:54
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Kurz vor Eröffnung des Kulturforums - Kein "Akt gegen Österreich"

New York - Der österreichische Architekt Raimund Abraham, der den Neubau des Österreichischen Kulturforums in New York entworfen hat, hat aus Protest gegen die Bundesregierung mit 1. März die österreichische Staatsbürgerschaft niedergelegt und die US-Staatsbürgerschaft angenommen, berichtet die "New York Times" am Donnerstag - etwas mehr als einen Monat vor der für den 18. April geplanten offiziellen Eröffnung des Kulturforums.

Der Akt sei ein sorgfältig überlegter Protest gegen eine Regierung, die seiner Meinung nach mit dem kulturell aufgeklärten Österreich, das er liebe, nicht mehr zusammengehöre. Abraham hatte sich nach der Bildung der ÖVP-FPÖ-Regierung an den Protesten von Künstlern und Intellektuellen gegen die FPÖ und Jörg Haider (F) beteiligt.

Vertagtes Ansuchen

Abraham hat bereits vor zwei Jahren in den USA um die Staatsbürgerschaft angesucht und diese erst jetzt zuerkannt erhalten. Durch die Annahme hätte er per 1. März wissentlich in Kauf genommen, dadurch seine österreichische Staatsbürgerschaft zu verlieren, erklärte der Architekt auf Anfrage.

Er habe zuvor kein Ansuchen um Beibehaltung der österreichischen Staatsbürgerschaft (lt. Paragraph 28 des Staatsbürgerschaftsgesetzes) gestellt. "Das wäre ja dann eine Lüge. Ich habe mich ganz klar deklariert, dass ich so lange die österreichische Staatsbürgerschaft zurücklegen möchte, so lange die FPÖ in der Regierung ist."

Er Sobald die FPÖ nicht mehr in der österreichischen Bundesregierung vertreten sei, "suche ich neu um die österreichische Staatsbürgerschaft an", so Abraham, "Ich werde mir keinesfalls mein Geburtsrecht nehmen lassen."

"Die Amerikaner haben kein Problem. Wir schon"

Die österreichische Rechtslage sei eindeutig, erläuterte Gesandter Donatus Köck vom Außenministerium: "Die Amerikaner haben mit einer Doppelstaatsbürgerschaft kein Problem. Wir schon." Die Führung einer weiteren Staatsbürgerschaft außer der österreichischen müsse vor deren Annahme bewilligt werden. Sei dies nicht der Fall, gehe der Betroffene seiner österreichischen Staatsbürgerschaft verlustig.

Der Direktor des Kulturforums, Christoph Thun-Hohenstein äußerte zur Nachricht vom "Überlaufen" des Architekten gegenüber der New York Times, jeder Mensch sei frei zu tun was er oder sie wolle. Abraham hätte lange Zeit in New York gelebt, aber "im Herzen wird er immer Österreicher bleiben".

Das Österreich Wittgensteins

"Das ist nicht ein Akt gegen Österreich, sondern für Österreich", so der Architekt gegenüber der "NYT", "Das Österreich, das ich liebe und verehre, ist das Österreich des frühen 20. Jahrhunderts, das Österreich Wittgensteins, das Österreich, das die radikalsten Architekturprojekte der Welt errichtet hat. Das ist das Österreich, dem ich mit meinem Gebäude Tribut zolle und mit meinem symbolischen, sehr persönlichen Protest".

Der in Lienz geborene 69-jährige Abraham lebt seit rund 30 Jahren in New York City, hatte aber bisher trotz seiner Ankündigung vor zwei Jahren, die österreichische Staatsbürgerschaft zurückzulegen, diese behalten. (APA)

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