Madagaskar: Präsident wollte Kardinal aus dem Amt drängen

7. März 2002, 11:15
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Kardinal Papst lehnte Rücktritt des Ratsiraka-Kritikers ab

Antananarivo - Der bei der jüngsten Wahl in Madagaskar unterlegene bisherige Präsident Didier Ratsiraka hat offenbar versucht, durch Intervention im Vatikan seinen Kritiker, Kardinal Armand Gaetan Razafindratandra, aus dem Amt zu drängen. In einem von Kathpress zitierten Interview der madegassischen Tageszeitung "Midi Madagasikara" erklärte der Kardinal, Ratsiraka habe in einem Schreiben an Papst Johannes Paul II. erfolglos auf seine Ablösung gedrängt. Zur Begründung habe der Präsident angeführt, der Kardinal sei ein Anhänger des Gegenkandidaten Marc Ravalomanana, statt als Vermittler zu fungieren. Kardinal Razafindratandra hatte mit Erreichen seines 75. Lebensjahrs ordnungsgemäß seinen Rücktritt angeboten; dies hatte der Papst jedoch abgelehnt.

Razafindratandra, der für seine offenen Worte bekannt ist, trat weiteren Spekulationen über seinen Rücktritt entgegen. Dies sei nicht der richtige Zeitpunkt, betonte der Kardinal. In einem Interview mit der französischen Tageszeitung "La Croix" erklärte der Generalsekretär der madegassischen Bischofskonferenz, Bischof Fulgence Rabeony, die Bischöfe des Landes hätten Ravalomanana als rechtmäßigen Amtsinhaber anerkannt. Er sei bereits im ersten Wahlgang Mitte Dezember gültig gewählt worden.

Nach dem Vorwurf des Wahlbetrugs gegen Amtsinhaber Didier Ratsiraka hatte sich Oppositionskandidat Ravalomanana, der Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, selbst zum Präsidenten erklärt. Ratsiraka rief daraufhin den Notstand aus. Bereits vor den Präsidentschaftswahlen hatte der Kardinal gewarnt, Ratsiraka sei einer seiner Schüler gewesen; schon als Jugendlicher habe er sich beim Würfelspiel immer ein schlechter Verlierer erwiesen.(APA)

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