"Es tut sich was"

7. März 2002, 15:45
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Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Rechtsextremisten intensivieren Aktivitäten

Wien - Österreichs rechtsextreme Szene intensiviert offenbar ihre Aktivitäten. Zu diesem Schluss kommt das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) auf Grund jüngster Informationen. Proponenten des rechtsextremen Lagers werden demnach auf mehreren Schienen aktiv. Das Resümee eines DÖW-Mitarbeiters: "Es tut sich was."

Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik

Im Zentrum stehe dabei laut DÖW einmal mehr die so genannte Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AFP). Der als rechtsextrem eingestufte Wiener Ministerialrat Günther R., der schon in Zusammenhang mit dem Briefbombenterror auf einer Liste von Verdächtigen genannt worden war, tritt am heutigen Donnerstag im Fritz-Stüber-Heim der AFP auf.

Die Weißen von Zion

Der Titel des Referats laut DÖW: "Ein Gespräch zwischen Macchiavelli und Montesquieu in der Unterwelt. Textvorlage für die Protokolle der Weißen (!) von Zion." Dem Dokumentationsarchiv zufolge ist in der Originaleinladung tatsächlich von "Weißen" die Rede. Ob das bewusst gewählt wurde oder nur ein Tippfehler ist und auf die "Protokolle der Weisen von Zion" - eine antisemitische Hetzschrift, die im Umfeld des russisch-zaristischen Geheimdienstes - hindeuten sollte, musste zunächst offen bleiben.

Das Dr. Fritz-Stüber-Heim - Heimstatt der AFP in Wien-Ottakring - dient jüngeren Erkenntnissen zufolge inzwischen auch als Anlaufstelle für rechtsextremistische Skinheads. So sollen im Vorjahr in dem Heim Angehörige der neonazistischen und daher in Deutschland verbotenen Skinhead-Gruppe "Blood & Honour" den früheren Führer der mittlerweile verbotenen Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO), Gottfried Küssel, getroffen haben. Küssel steht laut DÖW noch bis zum Sommer unter Bewährung.

Ebenfalls als Referent soll sich demnächst der frühere "Aula"-Autor Gerhoch R. betätigen. Am 11. März hält er laut jüngstem "Eckartboten", dem Organ der Österreichischen Landsmannschaft, im Neuen Klub im Haus der Heimat eine Vortrag zum Thema "Die Globalisierung und die neue geopolitische Lage zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und ein halbes Jahr nach dem 11. September 2001".

Treffen mit Ausschwitzleugnern

Laut DÖW ist Gerhoch R. jüngst durch eine Reise nach Moskau aufgefallen. Dort soll er einige namhafte Auschwitzleugner getroffen haben. Das Dokumentationsarchiv nannte darunter den in Schweden lebenden Marokkaner Ahmed Rami, der als Verbindungsmann "zwischen islamistischen und neonazistischen Antisemiten" gelte. Außerdem sollen der frühere Führer des Ku Klux Klan, David Duke, sowie der verurteilte und flüchtige Schweizer Neonazi Jürgen Graf anwesend gewesen sein.

Einer der letzten Vortragenden im Neuen Klub war laut DÖW übrigens Walter Lüftl, Verfasser eines Gutachtens, in dem die Existenz der Gaskammern geleugnet wurde. Das Haus der Heimat, in dem der Neue Klub seine Vorträge abhält, soll laut DÖW einen Gutteil einer 100-Millionen-Schilling Subvention aus einem Fonds zur Förderung der Vertriebenen-Verbände bekommen. Der Betrag wurde aber noch nicht ausbezahlt.

"Aktion Neue Rechte macht sich im Internet breit"

Im Internet habe sich unterdessen ein früherer Aktivist der verbotenen Aktion Neue Rechte (ANR) breit gemacht. Georg G. betreibt laut DÖW mittlerweile eine Initiative für Autofahrer-Rechte. Auf seiner "Heimatseite", wie er sie nennt - eine Domain-Abfrage führt zu seiner Adresse in Wien-Döbling - wettert er unter anderem gegen "Grünbolschewisten" und schreibt über die Unterstützung seiner Initiative für das Volksbegehren zum Austritt aus der EU, das er als "Erfolg der gesamten außerparlamentarischen Rechten, die zum ersten Mal seit der Kandidatur von Dr. Norbert Burger im Jahr 1980 wieder gemeinsam auftrat", bezeichnet.

Georg G.'s Homepage erinnert laut DÖW im Layout übrigens verblüffend an die Ostara-Homepage. Diese ist dem Dokumentationsarchiv zufolge "militant antisemitisch und revisionistisch" und werde von Österreichern mitgestaltet. (APA)

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