Shopping for charity

8. März 2002, 11:34
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"Lesy" nennt sich eine Initiative, die mit schicken Modeprodukten Geld für karitative Zwecke lukrieren will

Eigentlich könnte die Frage genau so gut lauten: Warum soll man sich nicht für ein karitatives Anliegen einsetzen? Das meint der 31-jährige österreichische Modefotograf Jork Weismann, wenn man ihn auf die Beweggründe für seine Charity-Initiative anspricht, die er unter dem Namen "Lesy - low budget society" ins Leben gerufen hat.

Ausgangspunkt war Weismanns Idee, eine limitierte Auflage eines seiner Fotos für einen guten Zweck zu verkaufen. Von "Franky", einem Foto, das aus einer Serie für das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel stammt, gibt es 50 nummerierte, signierte Prints zum Preis von jeweils 250 Euro zu erstehen, der Erlös daraus geht an die Organisation "Menschen für Menschen". Ein großer Teil dieser Edition wurde übrigens bereits in den ersten Tagen verkauft. Bestellt wird über E-Mail, an einer Ordermöglichkeit via Internet wird noch gebastelt. Beworben wurde die Aktion mit einem in der Vorwoche im RONDO abgedruckten ganzseitigen Inserat, das Weismann gemeinsam mit dem Grafiker Roman Breier gestaltete. Weismann, der für zahlreiche internationale Lifestyle-Magazine arbeitet (u.a. für Dazed & Confused, Purple und Self Service) gestaltet im Übrigen auch seit dem Herbst 2001 die Modestrecken für das RONDO.

Um den Ausgangspunkt herum entwickelte sich ein Konzept: nicht zu teure und nicht zu elitäre "Modeprodukte" welcher Art auch immer für einen karitativen Zweck zu verkaufen. "Wir wollen Leute ansprechen, die Geld haben und auch gerne Geld für Mode ausgeben", sagt Jork Weismann. Dass der Erlös Charity-Zwecken dient, ist sozusagen ein "positiver Nebennutzen" des Produkts, der nach den Ideen der "Lesy"-Gründer, die bisher sämtliche Aktivitäten selbst finanziert haben, aber nicht unbedingt im Vordergrund stehen muss: "Es soll schon vor allem ein schickes Produkt sein". Obwohl das Projekt noch im Anfangsstadium steckt, gibt es bereits eine Reihe von Zusagen und noch mehr Interessensbekundungen. Wendy & Jim, Österreichs derzeit vermutlich erfolgreichster Modeexport, werden ein T-Shirt oder Ähnliches in limitierter Auflage gestalten. Mit dabei sind das Label Bless, die Modefotografin Bettina Komenda oder auch Bernhard Willhelm, der deutsche Designer mit der Shootingstar-Karriere. Mit Branchengrößen wie Martin Margiela und Wolfgang Tilmanns ist man auch schon im Gespräch. "Lesy" will dabei die Funktion eines Charity-Vermittlers einnehmen: Man initiiert Beiträge, sorgt für deren Publikmachung und die Abwicklung des Verkaufs. An welche wohltätige Organisation der Verkaufserlös geht, wird den Beitragenden selbst überlassen.

Eine Auswahl aus den Arbeiten von Jork Weismann ist übrigens ab Mitte März bei "Unit F" in Wien zu sehen. Gezeigt werden Fotografien, die Weismann für den Designer Kostas Murkudis in den Jahren 1997 bis 2001 gemacht hat. mw

Der Standard/rondo/08/03/02

www.lesy.org; Bestellungen und Informationen unter: order@lesy.org
Fotoausstellung Jork Weismann "all this for that . . ., Unit F, Gumpendorferstr. 10-12, 1060 Wien, 16. 3.-27. 4., Mo-Fr 11-17 Uhr, Do bis 18 Uhr, Sa 11-15 Uhr.
  • Das Sujet, das der Modefotograf in limitierter Auflage für wohltätige Zwecke verkauft
    jork weismann

    Das Sujet, das der Modefotograf in limitierter Auflage für wohltätige Zwecke verkauft

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