Prozessionen und Popeye

17. Mai 2005, 14:28
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364 Kirchen stehen auf Malta, über den maltesischen Daumen gerechnet eine für jeden Tag. Aber das ist nicht die einzige Attraktion der Insel

Alle waren schon da: Kreuzfahrer auf dem Weg ins Heilige Land, Araber und Türken auf dem Weg nach Europa, spanische Herrscher, die sich mit französischen, diversen italienischen und britischen abwechselten. Selbst Außerirdische haben Malta nicht ausgelassen, behauptet Erich von Däniken, Verfasser zahlreicher pseudowissenschaftlicher Werke in den 70er-Jahren. Die "Cart Ruts", Karrenspuren, die an manchen Stellen der Insel in den Fels eingeschnitten sind, stammten nämlich, so von Däniken, ganz sicher von Ufos.

In jedem Fall haben viele Kulturen ihre Spuren auf den drei Inseln des Staates - Malta, Gozo und Comino - hinterlassen. Entschieden hat man sich letztendlich für die europäische. Die wirtschaftliche Orientierung ist eindeutig, und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union, um die sich der Inselstaat 1990 offiziell bewarb, soll diesen Pakt besiegeln.

Die Hauptstadt Valetta an der Nordseite der Hauptinsel Malta wurde 1566 nach dem Ende der Großen Belagerung durch die Türken von Jean de la Valette, Ordensgroßmeister, und Francisco Laparelli di Cortona, Architekt des Papstes, am Reißbrett entworfen. Was günstige praktische Konsequenzen hatte: Erstens war die Stadt immer gut durchlüftet, was in Zeiten ohne Klimaanlage bei diesem heißem Klima eine hohe Lebensqualität bedeutete. Und zweitens war sie leicht zu verteidigen, da sich niemand in den verwinkelten Gassen verstecken konnte.

Die Verteidigung wich der Lockung. Heute ist Malta ein Touristenziel. Weniger der Strände und hohen Temperaturen wegen. Viele Tauchbasen, die schroffen geologischen Gegebenheiten und zahlreiche Buchten sind das Ambiente der menschlichen Amphibien.

Historisch und archäologisch Interessierte finden Tempelanlagen, wie Tarxien oder Ggantija auf Gozo, Bauwerke und wunderschöne Städte wie Mdina aus Epochen quer durch die Geschichte, beginnend mit der Tempelzeit, aber vor allem aus den architektonisch prägenden Ären der Araber und der Johanniter. Ganz abgesehen von den Kirchen, die man in zwei, drei Wochen Urlaub nur mit intensiver Besuchsaktivität wird "aufarbeiten" können. Es gibt nämlich 364 davon, "eine für jeden Tag", sagen die Malteser in kalendarisch unscharfer theologischer Präzision.

Die Bevölkerung ist zu 94 Prozent römisch-katholisch und sehr stolz darauf, dass 65 Prozent täglich die Kirche besuchen. Auf die tiefe Gläubigkeit der Bevölkerung stößt man auch im Alltagsleben: Statuen von Heiligen stehen an profansten Orten wie Hauseingängen, Busstationen, Gärten von Einfamilienhäusern und auch am Fährhafen von Cirkewwa, wo die Schiffe nach Gozo abfahren.

Malta ist aufgrund seines klaren Lichtes und seiner sehr gut erhaltenen historischen Infrastruktur ein beliebter Drehort, nicht nur für Sandalen-Epen wie jüngst "Gladiator". Für das Musical "Popeye", das Robert Altman 1980 auf Malta drehte, wurde ein eigenes Dorf errichtet, für das - skurriles Detail am Rande - Holz aus Europa zugeliefert werden mußte. Mittlerweile ist Popeye Village eine beliebte Touristenattraktion und höchst offiziell auf den Straßenschildern angeschrieben. (Der Standard | Rondo | Luzia Schrampf)

Infos:

Fremdenverkehrsamt Malta 01 / 585370
www.searchmalta.com
www.popeyemalta.com

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