Der Friedenswille ist auch bei den Palästinensern schwach

7. März 2002, 09:35
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Jüngste Meinungsumfrage zeigt klare Mehrheit für Fortsetzung der Intifada

Jerusalem - Die letzten Wochen haben die Spirale der Gewalt im Nahen Osten stark angetrieben. Noch scheint allerdings kein Maß erreicht, dass die betroffenen Bevölkerungen in Massen auf die Straßen treibt, um eine Änderung der Politik ihrer jeweils Regierenden zu verlangen. Gerade 15.000 Israelis fanden sich vor zwei Wochen zu einer angekündigten Großkundgebung der Friedensbewegungen in Tel Aviv ein. Eine Großkundgebung des nationalen und religiösen Lagers ist für den kommenden Samstag angesagt. Es wird erwartete, dass sie wesentlich mehr Teilnehmer anziehen wird. Auf der palästinensischen Seite gibt eine Meinungsumfrage der letzten Woche Aufschluss über die Stimmung. Von Friedenswillen wenig Spur.

66,5 Prozent der zwischen dem 25. Februar und dem 3. März Befragten erklärten in der Umfrage, dass sie für die Fortführung der Al-Aksa-Intifada seien. 22,8 Prozent sind für ein Ende. 10,7 Prozent sind unentschieden in der Frage. Und das, obwohl mehr als 34 Prozent der Befragten sagen, dass die Al Aksa Intifada, die vor knapp eineinhalb Jahren begonnen hat, den Interessen der Palästinenser geschadet habe. Mehr als 51 Prozent halten sie für nützlich, 22 Prozent sogar für sehr nützlich.

Radikalisierung

Ähnlich wie in Israel ist eine Radikalisierung festzustellen. 64,3 Prozent der Befragten unterstützen eine Fortsetzung der Selbstmordanschläge innerhalb Israels. Nur 18,5 Prozent sprechen sich dagegen aus und etwas mehr als 17 Prozent wollen oder können auf die Frage keine Antwort geben.

Auf dem Tisch liegen derzeit mehrere Friedensinitiativen. Frankreich hat vor Kurzem einen Vorschlag unterbreitet, in den autonomen Gebieten Neuwahlen abzuhalten, um eine neue Ausgangsbasis für Verhandlungen mit Israel zu haben. Der Vorschlag bezog sich auf Zweifel an der Legitimation von Palästinenserpräsident Yasser Arafat. Die französische Initiative findet Zustimmung bei 41 Prozent und Ablehnung durch 42 Prozent der Befragten. Mehr als 16 Prozent haben dazu keine klare Meinung.

Mehrheit für Arafat

Eine Mehrheit steht nach wie vor noch hinter Arafat. 34,6 Prozent unterstützen in stark, 29,5 Prozent stehen ziemlich hinter ihm. Jeweils mehr als 13 Prozent sind ausgesprochen gegen Arafat beziehungsweise ziemlich gegen ihn.

Ein anderer Friedensplan des israelischen Außenministers Shimon Peres und des palästinensischen Parlamentspräsidenten Ahmed Korei (Abu Ala) erfährt noch deutlicher eine Abfuhr. Knapp 53 Prozent der Befragten sind dagegen, knapp 23 Prozent dafür, und fast ein Viertel weigern sich, die Frage zu beantworten oder wissen keine Antwort.

Jedenfalls glauben mehr der befragten Palästinenser (56,5 Prozent) nicht, dass unter den gegebenen Bedingungen eine politische Lösung des Konflikts das Beste sei, was sie erreichen können. 43 Prozent sind anderer Meinung.

Fast 50% glauben, dass es niemals Frieden geben wird

Die Befragten rechnen auch nicht damit, dass Frieden bald möglich sei. 46.7 Prozent sagen, dass es niemals Frieden geben werde. 6,6 Prozent halten ihn im nächsten Jahr für erreichbar, 8,6 Prozent halten eine friedliche Koexistenz in den nächsten zwei bis drei Jahren für möglich, über 11 Prozent schieben die Hoffnung in die nächsten fünf bis zehn Jahre. Mehr als 19 Prozent wissen keine Antwort auf die Frage nach den Friedenschancen in der Zukunft. Optimisten und Pessimisten sind einigermaßen gleich stark (45,4 und 43,7 Prozent).

Das palästinensische Zentrum für Meinungsforschung in Beit Sahour hat 1.571 Palästinenser, die älter als 15 Jahre sind, befragt. Das Durchschnittsalter lag bei 26 Jahren. Die Befragung wurde im Gazastreifen und im Westjordanland - eingeschlossen Ostjerusalem, in Städten, Dörfern und Flüchtlingslagern durchgeführt. Frauen waren mit 48,6 Prozent unter den Beantwortern relativ gut gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung vertreten.

Die mögliche Fehlerquote wird von den Meinungsforschern mit 2,47 Prozent angegeben.(APA)

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