Indische Schriftstellerin Arundhati Roy nach eintägiger Haft wieder frei

7. März 2002, 09:39
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Staudamm-Gegnerin habe mit Demonstration Gericht beleidigt

Neu Delhi - Nach einem Tag im Gefängnis ist die indische Schriftstellerin Arundhati Roy wieder frei. Roy (40) zahlte am Donnerstag eine vom Gericht verhängte Geldstrafe in Höhe von 2.000 Rupien (47 Euro) und vermied damit eine dreimonatige Haft.

Dammgegener: Durch Projekt wercen 40 000 Menschen heimatlos

Roy war am Mittwoch vom Obersten Gerichtshof verurteilt worden, weil sie die Richter kritisiert hatte. Es ging dabei um ein Urteil, das den Weiterbau des großen Narmada-Staudamms im Westen des Landes erlaubte. Nach Ansicht der Dammgegner, zu denen auch Roy gehört, macht das Projekt 40 000 Menschen heimatlos.

Bei Demonstration Gericht beleidigt

Juristen des Staudammprojekts hatten Roy verklagt und geltend gemacht, die die Manifestanten einer großen Demonstrantion, an der auch Roy teilnahm, hätten das Oberste Gericht in Sprechchören beleidigt. In einer Eingabe erklärte die Schriftstellerin daraufhin, sie bezweifle, dass das kritisierte Gericht in diesem Fall zuständig sei. Sie werde an dem Prozess daher auch nicht teilnehmen. Es entstehe der Eindruck, dass das Gericht möglicherweise geneigt sei, Kritiker zum Schweigen zu bringen. Wegen dieser Äußerungen wurde sie der Missachtung des Gerichts für schuldig befunden; die ursprüngliche Klage hingegen wurde abgewiesen.

Vor dem Gefängnis versammelten sich 200 Menschen zur Mahnwache

Richter R.P. Sethi erklärte in seiner Begründung, die Meinungsfreiheit gebe niemandem das Recht, das Oberste Gericht in einen Skandal hineinzuziehen oder seine Würde herabzusetzen. Während der Verhandlung protestierten etwa 200 Demonstranten gegen die Verhandlung. Sie wurden vorübergehend festgenommen und auf eine Polizeiwache gebracht. Vor dem Gefängnis versammelten sich dennoch hunderte Anhänger Roys zu einer Mahnwache.

Politisches Umwelt-Engagement

Die Autorin des Romans "Der Gott der kleinen Dinge" ist international mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden. Die Preissumme von 35.000 Dollar (40.313 Euro) für den britischen Booker-Preis 1997 spendete sie für die Kampagne gegen den Staudamm, der nach Ansicht der Kritiker Kleinbauern und Dorfbewohnern großen Schaden zufügt. Roy engagiert sich auch gegen das Atomprogramm der Regierung. Nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York und Washington trat sie als Sprachrohr der Dritten Welt gegen die politische und kulturelle Vorherrschaft der USA auf. (APA)

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