OMV mit Rekordergebnis

7. März 2002, 17:37
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Düsterer Ausblick für 2002 - Niedriger Ölpreis und Margendruck soll durch Mengenexpansion abgefedert werden

Wien - Nach dem Rekordjahr 2001, in dem die mit Abstand besten Ergebnisse der Unternehmensgeschichte erzielt wurden, bewegt sich der heimische Öl-, Gas- und Chemie-Riese OMV 2002 wegen des niedrigen Ölpreises und unter Druck stehenden Raffineriemargen in einem schwierigeren Umfeld, sieht sich dafür aber gut positioniert. Im Vergleich zu 2000 und 2001 sei heuer ein "schwierigeres Jahr" zu erwarten, das auch "etwas stürmischer" werden könnte, "aber wir sind darauf intern gut vorbereitet", sagte OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer am Donnerstag in der Bilanzpressekonferenz.

Rekorde

2001 hatte die OMV neue Rekorde eingefahren, wiewohl es im 2. Halbjahr, namentlich im 4. Quartal bereits zu einer Abschwächung kam. Im Gesamtjahr legte das Betriebsergebnis (EBIT) um 24 Prozent auf 610 Mill. Euro zu, der Jahresüberschuss um 18 Prozent auf 382 Mill. Euro und der Cash-flow um 29 Prozent auf 786 Mill. Euro. Dennoch soll die Dividende mit 4,30 Euro je Aktie unverändert bleiben. Der Umsatz ohne Mineralölsteuer stieg um 4 Prozent auf 7,736 Mrd. Euro, die Zahl der Mitarbeiter sank im Jahresabstand um 2 Prozent auf 5.659 (5.757).

Niedriger Ölpreis

Der Ölpreis ist für heuer mit 20 Dollar je Barrel budgetiert - nach fast 25 Dollar im Vorjahr -, wiewohl dies "kein Garantiepreis" sei. Der Euro zum Dollar ist unverändert mit 0,90 angesetzt. Eine höhere Produktion soll den niedrigen Ölpreis zumindest teils ausgleichen. Das Gas-Ergebnis zu halten werde angesichts sinkender Gaspreise nicht leicht werden, die neue heimische Gas-Großkunden-Kooperation mit fünf Partnern soll dabei über das Finanzergebnis helfen. In Raffinerie und Marketing stünden die Bulk- und Petrochemie-Margen unter Druck, einen Ausgleich erhofft man sich vom Mengenwachstum v.a. im Ausland. Bei Chemie/Kunststoffen erwartet man eine verbesserte Marktsituation.

Beschleunigtes Wachstum

Die Finanzkraft des OMV-Konzerns erlaube ein beschleunigtes Wachstum in den Kernbereichen E&P sowie R&M, wobei man mit einem Verhältnis 0,5:1:1 zwischen Förderung, Verarbeitung und Vermarktung weiter ein integrierter Ölkonzern bleiben will. Das primär organisch angelegte Wachstum - eine Verdoppelung der Rohölförderung und des Produktabsatzes binnen 5 bis 7 Jahren - solle dominant aus dem Cash-flow finanziert werden, der 2001 immerhin 786 Mill. Euro oder "mehr als 10 Mrd. Schilling" erreicht hat. Weiters wolle man zur Finanzierung des Wachstums die Verschuldungskapazität heranziehen. Schließlich sei der Verschuldungsgrad (Gearing Ratio) im Vorjahr spürbar um über ein Drittel auf 17 Prozent gesenkt worden und liege damit weit entfernt vom mittelfristigen Ziel von 30 Prozent. Die Nettoverschuldung wurde 2001 auf 386 (558) Mill. Euro vermindert.

Milliarden-Investitionen

Für 2002 bis 2004 sieht das ausgeweitete 3-Jahres-Programm rund 2,7 Mrd. Euro an Investitionen vor, die zu je rund 40 Prozent primär in die Kernbereiche E&P, R&M (vor allem Marketing) gesteckt werden sollen. Zudem sind ein Ausbau der Melamin-Kapazitäten bei der Chemie Linz sowie des Gaspipeline-Netzes geplant. Im Upstream-Bereich geht es etwa um Pakistan, Australien und U.K., aber auch in Libyen soll die Position weiter gestärkt werden. Im Downstream-Sektor hat man beim Ausbau des Tankstellen-Netzes vor allem Süd- und Osteuropa im Visier. Nach dem Start in Jugoslawien und Bosnien wolle man in Bulgarien und Rumänien weiter expandieren. In Osteuropa peilt man meist 10 bis 15 Prozent Tankstellen-Marktanteil an, in Slowenien hält man schon bei 25, in Österreich bei 20 Prozent. Grundsätzlich offen sei man auch für in Süddeutschland auf den Markt kommende Stationen.

Aktie fällt

Bis 13 Uhr verlor die OMV-Aktie heute 1,94 Prozent auf 99,53 Euro. (APA)

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