US-Geheimdienst spürt weitere El-Kaida-Zellen auf

7. März 2002, 07:16
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Zahl der El-Kaida-Kämpfer bisher unterschätzt

Washington - Der amerikanische Geheimdienst hat Versuche von Zellen der Terrororganisation El Kaida in Pakistan beobachtet, sich für Angriffe auf westliche Interessen neu zu formieren. Das verlautete am Mittwoch aus Kreisen in Washington. Die Zellen seien miteinander in Verbindung getreten und versuchten, sich an der afghanisch-pakistanischen Grenze in Widerstandsnestern einzurichten.

Diese sollten offenbar so wie die El-Kaida-Stellung in der Region Gardes nahe der pakistanischen Grenze ausgebaut werden, die zurzeit von den USA und ihren Verbündeten in einer großen Offensive angegriffen wird. Möglicherweise handele es sich bei den Zellen um hunderte von El-Kaida- und Taliban-Kämpfern, hieß es weiter. Unbekannt sei, wer das Kommando führe. Sowohl der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden als auch Taliban-Führer Mullah Omar sind noch nicht gefangen genommen worden.

Die Zeitung "New York Times" berichtete am Mittwoch, dass die Anzeichen für eine Neuformierung von El Kaida in Pakistan aus abgefangenen E-Mails und anderem Internet-Verkehr erkannt worden seien. US-Justizminister John Ashcroft lehnte es auf einer Pressekonferenz ab, sich dazu zu äußern. Aus Regierungskreisen verlautete, man wolle die Herkunft der Geheimdienstinformationen

Zahl der El-Kaida-Kämpfer unterschätzt

Die US-Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge zu Beginn ihrer bisher größten Bodenoffensive die Zahl der im Gebirge nahe der pakistanischen Grenze verschanzten El-Kaida-Kämpfer unterschätzt. Der Kommandant der "Operation Anaconda", Generalmajor Frank Hagenbeck, sagte am Mittwoch, zu Beginn sei man von 150 bis 200 Kämpfern ausgegangen, inzwischen schätze man die Zahl auf 600 bis 700. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte zu dieser Diskrepanz, vor einer Schlacht seien trotz Aufklärung durch Geheimdienste genaue Schätzungen unmöglich.

Der US-Befehlshaber des Afghanistan-Einsatzes, General Tommy Franks, sagte, die Zahl der US-Soldaten im Kampf um die Region um das Dorf Schah-i-Kot sei um rund 300 auf 1.1000 Mann verstärkt worden. Die rund 1.000 afghanischen Kämpfer an der Seite der Alliierten würden für den entscheidenden Angriff noch einmal um 5.000 Mann verstärkt. Die nächsten Tage werden nach seiner Einschätzung noch einmal sehr gefährlich für seine Truppen. "Aber die Alternative dazu, dieses Risiko einzugehen, ist nicht annehmbar", fügte er hinzu.

Die USA haben in der "Operation Anaconda" ihre bisher schwersten Verluste seit Beginn des Krieges im Oktober erlitten. Sieben Soldaten wurden beim Beschuss ihrer Hubschrauber getötet, einer fiel am Montag, am ersten Tag der Offensive. US-Kampfflugzeuge bombardierten auch am Mittwoch unablässig die Stellungen der El Kaida in den bis zu 3.000 Meter hohen Bergen. (APA)

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