Verletzt, geschockt: Helmut Pechlaner, Direktor des Tiergarten Schönbrunn

7. März 2002, 00:22
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Hohes Tier mit zoologischer Besessenheit

Jaja, es gehe ihm gut, ließ Helmut Pechlaner vom Krankenbett ausrichten. Und durchblicken, dass er das momentan für die unwichtigste Frage der Welt hält. Eine junge Tierpflegerin ist tot. Angefallen von drei Jaguaren - und er als Tiergartendirektor konnte es trotz eines lebensgefährlichen Rettungsversuches, bei dem ihn eine der Raubkatzen an der Hand verletzte, nicht verhindern. "Ich fühle mich verantwortlich", sagte Pechlaner. Es kann ihm also nicht gut gehen.

Ohnmacht, Trauer und Schock - bisher kannte die Öffentlichkeit nur das gegenteilige Bild des 55-jährigen Tierarztes aus Tirol: Alles, was er angepackt hat, ist zu einer Erfolgsstory geworden. Alles, was kreucht und fleucht, hat er geschickt vermarktet. Und so nebenbei auch sich selbst.

Fragen nach seiner Motivation beantwortet der wienerisch gewordene Innsbrucker mit privatem Zufluchtsort in einem südburgenländischen Nest gern mit "Viechernarrisch war i schon immer". Darauf führt Pechlaner auch zurück, dass er als Schüler dreimal das Gymnasium wechseln musste. Spaßhalber führt er, der als Jüngster mit sieben Geschwistern aufgewachsen ist, auch häufig seine "urgroßmütterliche Vorbelastung" an. Die hieß Anna Stainer-Knittel und war das Vorbild der filmhistorischen Geierwally.

Seine zoologische Laufbahn begann Pechlaner als Ferialpraktikant bei Konrad Lorenz in Seewiesen. Den Dr. med. vet. absolvierte er 1972, gleich danach stieg er ein beim Innsbrucker Alpenzoo, dessen Leitung er sieben Jahre später übertragen bekam. Zum wirklich hohen Tier wurde Pechlaner schließ, als er im Jänner 1992 die alleinige Geschäftsführung der Schönbrunner Tiergarten Gesellschaft m.b.H. übernahm. Als Direktor machte er den ältesten Tiergarten der Welt zu einem Vergnügungspark und Touristenmagneten. Jährlich purzelten die Besucherrekorde, im Vorjahr passierten bereits 1,724.456 Besucher die Drehkreuze des Zoos.

Für den Dienst an der Sache ist Pechlaner vor allem eines recht: Fundraising. Sein Talent beim Auftreiben von Sponsoren hat ihm den Titel "Meister des Schnorrens" eingebracht. So findet man auf dem 17 Hektar großen Zoogelände unter anderem Logos von Esso (Tiger), Lion's Club (Löwe), Hypo Landesbank (Flusspferde) und Böhler-Uddeholm (Raubtiergehege).

Die Rolle des Showmasters konnte Pechlaner auch in unzähligen Fernsehauftritten, unter anderem als Präsentator der ORF-Serie Universum , perfektionieren. Und Bücher, die er gemeinsam mit seiner Gattin Gabriele herausbringt, halten seinen Bekanntheitsgrad ebenfalls auf höchstem Niveau. Überbelastung scheint für Pechlaner ein Fremdwort zu sein: Seit Mai 2000 ist er auch noch Präsident des World Wide Fund for Nature Österreich. (Michael Simoner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.3.2002)

KOPF DES TAGES
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