Mit "Abfertigung neu" droht ein gewaltiger Flop

6. März 2002, 22:14
1 Posting

Arbeitsrechtler Tomandl: Keine Stützung der Alterssicherung

Wien - Noch ehe die Regierung ihr Konzept für die "Abfertigung neu" präsentiert hat, setzt es - in der "Donnerstag"-Ausgabe der "Presse" - bereits scharfe Expertenkritik. Der Arbeitsrechtler Theodor Tomandl fordert die Regierungsparteien zu massiven Änderungen des von den Sozialpartnern ausverhandelten Reformvorhabens auf. Andernfalls "droht die 'Abfertigung neu' zu einem der größten Flops der jüngsten Gesetzgebung zu werden", schreibt er.

"Enttäuschend" sieht für Tomandl - der in mehreren Arbeitskreisen der Regierung als Experte sitzt - das absehbare politische Ergebnis der Abfertigungs-Reform aus. Die Beiträge in Höhe von 1,53 Prozent der Lohnsumme, die die Arbeitgeber in eine Abfertigungskasse zahlen sollen, würden nicht dazu genutzt, die Alterssicherung zu stützen. Tomandl stößt sich vor allem daran, dass - gemäß dem Wunsch der Gewerkschaft - Barauszahlung (außer bei Selbstkündigung) weiterhin möglich und, so fürchtet er, die Regel sein wird. Zumal es den Arbeitgeber "keinen Euro kosten" werde, wenn er z.B. der Bitte des Arbeitnehmers, der ausscheiden will, entspricht, ihn zu kündigen.

"Wer nach der vorgesehenen Wartezeit von drei Jahren die Abfertigung kassieren will, wird sie also bekommen", ist Tomandl überzeugt. Die Auswirkungen dessen seien nicht bedacht worden: Die Abfertigungskassen würden die Beiträge lediglich drei bis vier Jahre veranlagen und damit nur geringfügigere Erträgen erwirtschaften können. Weiter Eintragseinbußen fürchtet Tomandl u.a. auch durch übermäßig hohe Verwaltungskosten wegen übertriebener Sicherheitsbedenken. (APA)

Share if you care.