Riss zwischen ÖVP und Kirche: Kothgasser "bestärkt" die Caritas

6. März 2002, 20:18
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Sturm "tief bestürzt"

Wien - Immer deutlicher wurde am Donnerstag der Riss zwischen ÖVP und Kirche in Sachen Fremdenpolitik. Angesichts der Kommentare von ÖVP-Klubobmann Andreas Khol und Innenminister Ernst Strasser zur Kritik kirchlicher Hilfsorganisationen am Fremdenpaket stellte sich "Caritas"-Bischof Alois Kothgasser in einer Kathpress-Aussendung demonstrativ hinter die Caritas. Er "bestärkte" die Caritas-Verantwortlichen, "nicht nachzulassen, ihre praktischen Erfahrungen und die fachliche Kompetenz in Fragen der Integration und der Flüchtlingsbetreuung in die politische Diskussion einzubringen".

Sturm: "Khol beleidigt damit nicht nur die Kirchen"

Der evangelische Bischof Herwig Sturm kritisierte VP-Klubobmann Andreas Khol. Er sei "tief bestürzt", wenn für Khol die Kritik von Caritas und Diakonie "nichts wert" sei. Khol beleidige damit nicht nur die Kirchen, sondern "unzählige engagierte, haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen". Die Kirchen hätten für die Erstversorgung vieler Menschen Millionen ausgegeben, "weil der Staat seine Verantwortung nicht wahrgenommen hat". Diakonie und Caritas hätten nicht nur kritisiert, sondern bessere Modelle für einen Integrationsvertrag vorgelegt. Seien aber zu wenig gehört worden, sagte Sturm.

Kothgasser: Spielregeln der Demokratie

Bisher sei es "gute politische Tradition" gewesen, solche Vorschläge ernst zu nehmen und nicht abzuwerten, sagte Kothgasser - und betonte, dass öffentliche Diskussion und sachliche Kritik grundlegende Spielregeln der Demokratie seien. Es sei immer Aufgabe der Caritas im Rahmen der katholischen Kirche gewesen, sich nicht nur um Menschen in Not und benachteiligte Gruppen zu kümmern, sondern "auch die Ursachen dieser Probleme deutlich anzusprechen und Vorschläge für Verbesserungen einzubringen".

"Wenn diese Erfahrungen politisch als nicht mehr wichtig angesehen werden, dann ist das ein Verlust für die politische Kultur und die Zukunftschancen für die Menschen", sagte Kothgasser. Und: "Für eine verantwortungsvolle Politik sind die aus der praktischen Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse und die darauf aufbauenden Vorschläge der Hilfsorganisationen unverzichtbar, wenn sie an einer zukunftsfähigen und solidarischen Gesellschaft bauen möchte". (APA)

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